PakistanKatastrophale Lage nach Überschwemmungen

Nach den extremen Monsun-Niederschlägen seit Mitte Juni befindet sich Pakistan in einer katastrophalen Situation. Der pakistanische Außenminister Bilawal Bhutto Zardari sprach am 7. Oktober in Berlin von einer Katastrophe biblischen Ausmaßes. 33 Millionen Menschen seien betroffen, 16 Millionen von ihnen seien Kinder, 600.000 schwangere Frauen. Knapp 1700 Menschen haben ihr Leben verloren. Zwischenzeitlich stand ein Drittel des Landes unter Wasser. Unzählige Straßen, Schulen, Krankenhäuser und landwirtschaftliche Flächen wurden zerstört. Die Weltgesundheitsorganisation und Hilfswerke wie die Malteser und die Caritas warnen nun vor einer „Gesundheitskatastrophe“. Im verschmutzten Wasser breiten sich Infektionskrankheiten wie Malaria und Denguefieber mit rasender Geschwindigkeit aus. Millionen von Menschen haben keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung. Caritas international sieht vor allem die Armen von Hunger bedroht, da die Ernte vernichtet und Saatgut verloren ist. Die Asiatische Entwicklungsbank sagte dem Land 2,5 Milliarden Dollar zu. Deutschland unterstützt laut Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) mit insgesamt 60 Millionen Euro. Der Wiederaufbau wird Jahre dauern und nach Schätzungen mindestens 10 Milliarden Euro kosten.

Experten machen den Klimawandel für die zunehmende Anzahl von Naturkatastrophen in Südostasien verantwortlich. Laut der „Bundeszentrale für politische Bildung“ herrschte im April und Mai eine Rekord-Hitzewelle mit Temperaturen von um die 50 Grad Celsius. Klimamodelle zeigen, dass sich die Atmosphäre über Südostasien besonders schnell erwärmt. Somit kann sie mehr Wasser aufnehmen, extreme Regenfälle werden sich in Zukunft noch verstärken. Die Flutkatastrophe verschärft die innenpolitische Krise Pakistans nach dem Sturz der Regierung Imran Khans im April. Auch die Machtübernahme der Taliban im benachbarten Afghanistan hat islamistischen Extremisten und separatistischen Nationalisten Aufwind verschafft.

Hilde Naurath

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