ÖkumeneDiskussion über „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ geht weiter

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Als „theologisch begründet“ und „pastoral geboten“ hat der Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) sein Dokument „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ gegenüber den Einwänden der Glaubenskongregation verteidigt (vgl. HK, Oktober 2020, 48).

Getaufte der jeweiligen Kirchen könnten „gewiss sein, dass auch in der jeweils anderen Feierform die Verheißung der Gegenwart Jesu Christi gilt“, heißt es in der 25-seitigen Stellungnahme des ÖAK zu den „Lehrmäßigen Anmerkungen zum Dokument ,Gemeinsam am Tisch des Herrn‘“ vom September 2020. Die Stellungnahme, die von Dorothea Sattler und Volker Leppin, der Wissenschaftlichen Leitung des Arbeitskreises, unterschrieben ist, setzt sich mit den einzelnen Kritikpunkten der Glaubenskongregation auseinander.

So werde beispielsweise die pneumatologische Argumentationsfigur als zentrale Perspektive nicht aufgegriffen, lautet ein Einwand des ÖAK. In diesem Sinne sei „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ ein theologischer Beitrag zu einem „auf der Ebene der evangelischen Weltbünde und der römisch-katholischen Kirche weltweit noch nicht zum Ziel geführten Weg“. Die Autoren kritisieren, dass die „Lehrmäßigen Anmerkungen“ wegen ihres „gewundenen Gedankengangs, der vielen Vermutungen (,eigentlich‘) und schillernden Komparative (,eher‘) in ihrer Substanz und Stoßrichtung nicht leicht zu erkennen seien. Demgegenüber wird festgehalten: „Der wichtigste Ertrag der ökumenischen Lehrgespräche, die im 20. Jahrhundert dem Abendmahl gewidmet waren, besteht in der Erkenntnis, dass der gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus als das eigentliche Subjekt des Mahlgeschehens in Erscheinung tritt“. Dabei sei es wichtig, auch nach „neuen Ansätzen zum Verständnis der Gegenwart Jesu Christi im Mahlgeschehen“ zu fragen.

Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, äußerte sich in einer ersten Reaktion enttäuscht über das Papier und warf ihm Dialogverweigerung vor. Beide Seiten reklamieren für sich letztlich mehr Praxisnähe. Auf ein Interview von Leppin mit „katholisch.de“, indem dieser den Kardinal für seine „schroffe Abweisung“ der Entgegnung kritisierte, präzisierte dieser seine Einwände. In einem Offenen Brief führt Koch Regelungen in einzelnen Landeskirchen zur Abendmahlspraxis auf, die dem behaupteten Konsens in der Ökumene zuwiderliefen. Da Bischof Georg Bätzing als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, so Koch, sich das Votum des ÖAKs mit Blick auf den Dritten Ökumenischen Kirchentag zu eigen gemacht habe, sei der Text auf die Ebene des Lehramts der Bischöfe gehoben worden. Für die Kongregation für die Glaubenslehre sei damit der Zeitpunkt gekommen, sich zu Wort zu melden.

Der Bochumer Theologe Thomas Söding, selbst Mitglied des ÖAK, zeigte sich angetan davon, dass in den Streit weiter Bewegung gekommen ist. Die „Schärfe der Töne“, so Söding, lasse erkennen, „dass es hier wirklich um etwas geht“. Es sei „überhaupt nicht schlimm, dass Kontroversen auch in der Öffentlichkeit ausgetragen werden“. Stefan Orth

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