LiturgietheologieEine große Synthese

Stefan Geiger: Der liturgische Vollzug als personal-liturgischer Erfahrungsraum.Liturgietheologische Erkundungen in den Dimensionen von Personalität und Ekklesiologie. Verlag Pustet, Regensburg 2019. 495 S. 49,95 € (D).

Eine große Synthese, die die Geschichte der Liturgischen Bewegung würdigt, indem sie sie einen Schritt weiterführt. So lässt sich der Band beurteilen, dessen langer Titel ihn sofort im Grenzgebiet einordnet: zwischen liturgischer Theologie, systematischer Theologie, philosophischer Anthropologie und Ekklesiologie. Zunächst stellt Stefan Geiger explizit die Frage nach der „theologischen Tragfähigkeit der Liturgie“ in der Auseinandersetzung vor allem mit der englischsprachigen Tradition aus Nordamerika. Anschließend folgt eine sorgfältige Reflexion über das Verhältnis von Liturgie und „Person“, indem eine Theorie der „liturgischen Erfahrung“ als symbolisches Ereignis entwickelt wird. Zuletzt werden dann die Konsequenzen gezogen, sowohl auf der Ebene der „symbolischen Feier“ als auch auf der der „kirchlichen Gemeinschaft“.

Der Autor gelangt so zu einer relecture der liturgischen Feier als „Vermittlung“ zwischen persönlicher und kirchlicher Identität, bis hin zu den personalen Metaphern der Kirche als Leib und als Braut. Dieses Ergebnis bekräftigt in wirkungsvoller Weise ein ressourcement des Ursprungs der Liturgie als „theologische Disziplin“ und als „Ort der Erfahrung“. Mehr noch, die beiden „Pole“ der Untersuchung erhellen sich gegenseitig: Auf der einen Seite gibt es hier den akkuraten Versuch, die theologische Qualität der liturgischen Disziplin zu fundieren. Um dies jedoch durchzuführen, gelangt der Autor, in der Tradition Romano Guardinis, zu einer symbolischen, rituellen und emotiven Lesart der liturgischen Sprache, die der Kirche erlaubt, „Raum der personal-liturgischen Erfahrung“ zu sein.

Im Zentrum der Arbeit steht das Konzept des Vollzugs: Die Subjekte der Handlung sind Gott und Mensch gleichermaßen; die gesamte conditio humana erweist sich in die Liturgie eingebunden, mit all ihrer Körperlichkeit, Sensibilität und ihrem Ausdruck. In diesem „Ereignis der personalen Begegnung“ geben und empfangen sich der Leib Christi und der Leib des Menschen gegenseitig, im und als Pascha-Mysterium, nach den Maßstäben der großen Hermeneutik der Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils. Andrea Grillo

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