Praktische TheologieKirchliche Neustrukturierung

Peter Klasvogt: Kirche neu erfinden.Lebendiger Organismus. Lebendige Organisation.Bonifatius Verlag, Paderborn 2021. 368 S. 34,00 € (D).

Angesichts der notgedrungenen Veränderungen säkularer und beruflicher Organisationen als Reaktion auf gesellschaftliche Herausforderungen werde auch die (katholische) Kirche nicht darum herumkommen, sich in organisatorischer Hinsicht den veränderten gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen anzupassen, vielleicht auch „neu zu erfinden“ und doch sie selbst zu bleiben. Diese Grundthese entfaltet Peter Klasvogt in seinem Buch und orientiert sich dabei an dem Konzept einer Neustrukturierung von Organisationen, das der Managementberater Frederic Laloux 2014 vorgelegt hat.

Zunächst stellt Klasvogt diesen Ansatz in kompakter Form dar, bevor er die wichtigsten Strukturveränderungen in der Geschichte der katholischen Kirche unter dem Leitgedanken der Spannung zwischen ihrer spezifischen Sakramentalität und ihrer jeweiligen historischen Gestaltwerdung bis hin zum Zweiten Vatikanum und den seitherigen Herausforderungen skizziert. Diese Skizze mündet in ein Plädoyer für ein dialogisch-missionarisches Führungsverständnis, für das Denken und Handeln des gegenwärtigen Papstes. Abschließend formuliert der Autor Reformvorschläge für die katholische Kirche, wobei die Themen zunächst allgemein organisationssoziologisch und dann in ihrem Nutzeffekt für das kirchliche Leben betrachtet werden. Klasvogt beruft sich theologisch vor allem auf den früheren Aachener Bischof Klaus Hemmerle und dessen Spitzenaussage, Kirche sei eine Einheit, „die sich konstituiert durch die gegenseitige Liebe“. Alle Strukturen, Praktiken und Prozesse auf allen Hierarchieebenen und allen Bereichen stünden dann auf dem Prüfstand.

Es ist die Mühe wert und nicht ohne Reiz, kirchliche Vollzüge durch die Brille einer breit angelegten Managementtheorie zu betrachten, wie es das Buch in anregender Weise unternimmt. Man vermisst allerdings die ökumenische Weite: Schließlich gibt es Kirche längst nicht nur in der katholischen Variante mit ihrem Selbstverständnis und ihren spezifischen Problemen, sondern auch in anderen Strukturierungen, von denen der katholische „Tanker“ durchaus das eine oder andere lernen könnte. Das gilt nicht zuletzt für den „synodalen Weg“ in der katholischen Kirche der Bundesrepublik wie für das Thema Synodalität insgesamt. Ulrich Ruh

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