Streit um die Vatikan-Instruktion zu den PfarreienKardinal Stella lädt Bätzing zu klärendem Gespräch ein – ohne das ZdK

Streit um die Vatikan-Instruktion
© Harald Oppitz/KNA

Der Präfekt der römischen Kleruskongregation, Kardinal Beniamino Stella, hat die Spitzen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) offiziell zu einem Gespräch über die umstrittene Vatikan-Instruktion zu den Pfarreien nach Rom eingeladen. Das geht aus einem achtseitigen Brief Stellas vom 29. September an den DBK-Vorsitzenden Georg Bätzing hervor, der Mitte Oktober verschickt wurde und der „Herder Korrespondenz“ vorliegt. Das Treffen in Rom, für den der November als „günstige Zeit“ vorgeschlagen wird, soll dem Abbau von Spannungen zwischen Deutschland und dem Vatikan dienen. Allerdings wünscht Stella keine Teilnahme von Laien an der Begegnung, obwohl die deutschen Bischöfe darum gebeten hatten. „In Anbetracht der Tatsache, dass diese Instruktion ihrer Art wegen in erster Linie an die Bischöfe gerichtet ist (vgl. can. 34 § 1 CIC), betrachte ich in dieser Phase diese als die erforderlichen Gesprächspartner dieser Kongregation“, schreibt der Kardinal. Zur Vorbereitung seines Briefes habe er auch „mit dem Heiligen Vater am 7. September 2020 über eine angemessene Antwort an die deutschen Bischöfe“ gesprochen.

Hintergrund ist die Instruktion „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“, die die Kleruskongregation im vergangenen Juli veröffentlichte. Darin werden einer Übertragung von Leitungsfunktionen in der Gemeinde an Laien sowie einer Zusammenlegung von Pfarreien, wie sie unter anderem in vielen deutschen Bistümern angedacht sind, enge Grenzen gesetzt. Das Papier, das für die ganze Weltkirche gültig ist, aber vor allem als eine römische Reaktion auf die geplante Pfarreienreform im Bistum Trier gilt, stieß in Deutschland auf heftige Kritik. Viele Bischöfe und Theologen wiesen es als weltfremd zurück.

Angesichts der Aufregung hatte Kardinal Stella noch im Juli in einem KNA-Interview die Möglichkeit eines klärenden Gesprächs mit den deutschen Bischöfen ins Spiel gebracht. Nach einer Sitzung des Ständigen Rates der DBK Ende August teilte der Vorsitzende Bätzing mit, er wolle auf das Angebot eingehen. Allerdings werde er Rom vorschlagen, dass auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sowie ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann an dem Treffen teilnehmen sollten, als Präsidiumsmitglieder des Synodalen Wegs. Die Vatikaninstruktion betreffe nicht nur Bischöfe, Priester und Diakone, sondern auch die Laien.

Kardinal Stella selbst weist die Kritik an der Instruktion in seinem Brief zurück. Sie müsse in Zusammenschau mit anderen Vatikandokumenten gelesen werden und rufe lediglich geltendes Kirchenrecht in Erinnerung. „Wie die Bischöfe aufmerksam und eifersüchtig darauf bedacht sind, dass ihre Vorrechte und Rechte geschützt und respektiert werden, ist es ebenso richtig, dass sie jene kanonischen Normen beachten und anerkennen, die die Bereiche und die Kompetenzen der Kleriker, der Gottgeweihten und der Laien betreffen.“ Lucas Wiegelmann

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