Zum Leben Karl ForstersGlaube und öffentliche Verantwortung

Der Münchner Diözesanpriester Karl Forster hatte die einmalige Chance, zwei wichtige Schaltstellen im frühen bundesdeutschen Katholizismus jeweils als Erster bekleiden zu können: Er war von 1957 bis 1967 Gründungsdirektor der Katholischen Akademie in Bayern und dann von 1967 bis 1971 erster Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz. So wurde er in seinem relativ kurzen Leben zu einer prägenden, aber auch nicht unumstrittenen Gestalt in der Kirche des westlichen Deutschland, die sich zuerst nach 1945 und dann durch das Zweite Vatikanische Konzil neu formieren musste.

Simon Oelgemöller hat sich also für dieses Buch (eine bei dem renommierten Mainzer Zeithistoriker Andreas Rödder angefertigte Dissertation) ein ausgesprochen lohnendes Thema gewählt. Er skizziert auf der Grundlage von Archivmaterial den Weg des wissenschaftlich wie kirchenpolitisch ambitionierten Forster von den Anfängen bis zur letzten Station als Professor für Pastoraltheologie an der seinerzeit neu gegründeten Augsburger Theologischen Fakultät. Mit besonderem Interesse liest man dabei die Passagen, in denen es um die Versuche Forsters geht, die katholische Kirche im Feld der politischen Parteien neu zu verorten, nicht zuletzt durch den Aufbau von Kontakten zur Sozialdemokratie, die sich mit ihrem „Godesberger Programm“ von 1959 ihrerseits von bisherigen ideologischen Bastionen verabschiedete.

Die gründliche und teilweise geradezu spannende Arbeit mündet in die zusammenfassende Feststellung, für Forster sei die systematische Klammer seines gesamten Schaffens die Frage gewesen, „wie Glaube und Kirche mit Blick auf ihre öffentliche Verantwortung in der Gegenwart präsent bleiben können“. Forster sei nicht als politischer Prälat im klassischen Sinn aufgetreten, sondern vielmehr als „homo politicus im neuen Gewand“, der die neu zu gewinnende Gestalt der Kirche hinsichtlich ihres Auftretens in der politischen Kultur der Bundesrepublik während der konziliaren wie nachkonziliaren Zeit mitgeformt habe. Angesichts der aktuellen Herausforderungen für die Kirche sowohl im Inneren wie durch den gesellschaftlich-politischen Wandel lohnt der Rückblick auf die Weichenstellungen und Auseinandersetzungen der „Forster- Zeit“ durchaus. Das Buch von Oelgemüller leistet dafür gute Dienste. Ulrich Ruh

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Simon Oelgemöller

Karl Forster (1928-1981)Katholizismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland.

Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2019, 400 S. 89,00 (D).

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