Anzeige: Rom ist kein Gegner. Warum die Kirche Reformen braucht. Von Georg Bätzing
  Herder Korrespondenz. Monatsheft für Gesellschaft und Religion 59 (2005) Heft 5

Über diese Ausgabe

Leitartikel

  • Gratis S. 217-219

    LeitartikelDie Botschaft aus Rom

    Es ist wohl noch zu früh, abschließend deuten und werten zu wollen, was wir in den zurückliegenden Tagen des Pontifikatswechsels wirklich erlebt haben. Welche Bedürfnisse, Erwartungen und Sehnsüchte trieben Tausende nach Rom, ließen Millionen Daheimgebliebener Stunden vor dem Fernsehapparat verharren? Tiefer Glaube, vordergründige Verehrung, das Gespür für historische Momente oder banale Schaulust? Die Faszination des Fremden, die Unterbrechung der gewohnten Alltagsrationalitäten und -plausibilitäten? In den unzähligen Talk-Runden und Expertengesprächen wurde das dieser Tage in Rom Erlebte und Gesehene, die weltweite Aufmerksamkeit für den Wechsel an der Spitze der katholischen Kirche rasch auch zum Beleg für die modische These einer Renaissance von Religion oder Religiösem erklärt, zum untrüglichen Hinweis auf den Anbruch des von verschiedener Seite angekündigten „Jahrhunderts der Religion".Fraglos stellen die beeindruckenden Bilder der Millionen Trauerpilger, die weltweite Hochachtung für den charismatischen Papst und die fiebrige, von großen Hoffnungen getragene Erwartung des Nachfolgers ein höchst vielschichtiges Phänomen dar. In den Zeugnissen der Jugendlichen und all der anderen Rompilger, in den Würdigungen der Politiker ebenso wie in jenen der Führer anderer Religionen, in der überraschten Bewunderung zahlreicher Intellektueller und den Eintragungen in die ungezählten Kondolenzbücher der ganzen Welt kehrte stets ein Motiv wieder: Die Wertschätzung einer klaren Botschaft und die Faszination authentischer Religiosität. Johannes Paul II. beeindruckte gerade durch seine Konsequenz, seinen Nonkonformismus, durch entschiedene Meinung, eine gewisse Widerständigkeit.Offenkundig hält eine immer komplexer und unübersichtlicher werdende, oft als orientierungslos und ohne Ziel empfundene Welt bestimmte Sehnsüchte und Bedürfnisse wach. Offenkundig konnte Johannes Paul II. als einzige weltweite geistige Autorität und Führungsgestalt ein von vielen tief empfundenes Sinnvakuum ansprechen, dem sich in totaler Flexibilität und globaler Mobilität entwurzelt fühlenden Zeitgenossen mit einer klaren Botschaft Halt geben.

Kommentar

  • Gratis S. 221-222

    KommentarVorstoß

    Ökumenische Kooperation beim Religionsunterricht in Baden-Württemberg.

  • Gratis S. 222

    KommentarMärtyrer

    Deutsche Bischöfe erinnern an die verfolgten Christen Lateinamerikas.

Aktuell

  • Gratis S. 223-225

    Berlin„Kulturkampf“ um Werteunterricht

    Hohe Wellen hat das Vorhaben des rot-roten Berliner Senats geschlagen, an den Schulen ein verbindliches Wertefach einzurichten, von dem sich die Teilnehmer am Religionsunterricht nicht abmelden können. Ob und wie der Plan umgesetzt wird, ist noch nicht entschieden.

  • Gratis S. 225-227

    ZdKErklärung zum jüdischchristlichen Gespräch

    Angesichts einer tiefgreifend veränderten gesellschaftlich-kulturellen und religiösen Situation in Deutschland unternimmt der Gesprächskreis Juden und Christen beim ZdK nach 25 Jahren eine neue Standortbestimmung des jüdisch-christlichen Verhältnisses.

Blickpunkt

  • Statue von Johannes Paul II.
    Gratis S. 227-231

    Eine Bilanz des Pontifikats Johannes Pauls II.Der erste globale Papst

    Mit dem Tod Johannes Pauls II. ging ein in mehrfacher Hinsicht außergewöhnliches Pontifikat zu Ende. Der am 2. April nach langer Krankheit verstorbene Papst hat die katholische Kirche vom 20. ins 21. Jahrhundert geführt, in einer besonderen Verbindung von persönlichem Charisma und Amtsautorität. Die folgende Bilanz zeichnet grundlegende Strukturen und Ereignisse des Pontifikats nach.

Interview

Essays

  • Gratis S. 236-239

    Ist ein Fall Schiavo auch bei uns möglich?Kein Sterben in Würde

    Nach sieben Jahren gerichtlicher Auseinandersetzung ist die amerikanische Komapatientin Terri Schiavo nach Einstellung der künstlichen Ernährung gestorben. Bedrückend war, wie in der Medienöffentlichkeit, die eine rationale ethische Diskussion nicht zugelassen hatte, vor den Augen der Welt über Tod und Leben eines Menschen gestritten wurde, der selbst keine Stimme mehr hatte.

  • Gratis S. 239-244

    Schritte auf dem Weg zum Islamischen ReligionsunterrichtNeue Phase des Zusammenlebens

    Schulversuche und Ansätze zur Lehrerausbildung stellen einen Durchbruch auf dem Weg zum Islamischen Religionsunterricht als ordentlichem Lehrfach an deutschen Schulen dar. Sie werfen neue Perspektiven für innerislamische Diskussionsprozesse, für den Stellenwert von Islam im Schul- und Hochschulsystem und darüber hinaus für das Zusammenleben mit Muslimen in Deutschland auf.

  • Gratis S. 249-253

    Armenien und die Türkei 90 Jahre nach dem VölkermordKeine Versöhnung ohne Reue

    Im April 1915 begann der Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich. Dass sich die Türkei bis heute weigert, den Genozid als solchen anzuerkennen, belastet die Beziehungen zwischen ihr und dem seit 1991 unabhängigen Armenien. Dazu kommt, dass sich die Türkei im Konflikt um das zwischen Armenien und Aserbaidschan strittige Berg-Karabach auf die Seite Aserbaidschans gestellt hat.

  • Gratis S. 257-261

    Die Diskussion über die Qualitätsstandards des FachsWas ist gute Theologie?

    In der Theologie werden in letzter Zeit aufgrund vielerlei Anfragen von außen verstärkt die Qualitätsstandards des eigenen Fachs diskutiert. Was müssen Theologinnen und Theologen beider Konfessionen leisten? Zwei Sammelbände haben jüngst explizit die Frage gestellt, was eigentlich gute Theologie sei.

  • Gratis S. 261-266

    Die Kirchen und die „Orangene Revolution“ in der UkraineWie Religion ins Spiel kam

    Beim Machtwechsel in der Ukraine Ende letzten Jahres engagierten sich Christen und ihre Kirchen auf unterschiedliche Art und Weise: Der Präsidentschaftskandidat des herrschenden Systems genoss die massive Unterstützung mancher Hierarchen. Doch dann formierte sich eine breite christliche Koalition gegen die Wahlfälschungen und für den schließlich siegreichen demokratischen Kandidaten Juschtschenko.

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