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Joachim Gauck: Toleranz: einfach schwer

Über diese Ausgabe

Leitartikel

  • Plus S. 109-111

    LeitartikelZauberwort Innovation

    Geht es nach dem Willen der Bundesregierung, wird Innovation das Thema dieses Jahres und auch der nächsten Jahre sein. Denn Deutschland krankt an der nötigen Aufgeschlossenheit für Neues. Darin ist sich eine breite Allianz von Wirtschaftsvertretern, Wissenschaftslobbyisten, Bildungsfunktionären und Politikern aller Couleur einig. Eine Gesellschaft, die in so vielen Bereichen ihres Lebens und Funktionierens unausweichlich reformieren, umdenken und umbauen muss, bedarf zweifelsohne eines robusten Innovationswillens. Gleichermaßen braucht es aber auch die Auseinandersetzung um Kriterien und Ziele. Genau daran aber mangelt es bislang vielen Appelle zur „mutigen Innovation".Mit großer Einmütigkeit über alle politischen Lager und Gesellschaftsbereiche hinweg beklagt man nun seit Jahren eine eigentümliche Mut- und Hoffnungslosigkeit, grassierende Zukunftsangst und Verzagtheit in unserem Land - sicherlich eine Befindlichkeit, die nicht zu Neuem und Erneuerung treibt. Und wer Gespräche unter Kollegen, im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis zu diesem Bild hinzufügt, wird eines nicht bestreiten wollen: Viele scheinen davon überzeugt, dass es so nicht weitergehen kann. Ebenso weiß man, dass der eherne Grundsatz des wirtschaftswundernden Nachkriegsdeutschland nicht mehr gilt, nämlich dass es Kinder und Enkelkinder - quasi automatisch - einmal besser haben werden. Grenzen zu erkennen ist aber etwas anderes als platte Fortschrittsfeindlichkeit, lähmende Mutlosigkeit oder Innovationsfeindlichkeit. Als Herausforderung erkannt, schafft der Respekt vor Grenzen durchaus Innovationspotential. Grenz- und Maßlosigkeit dagegen erschöpfen sich selbst.Umgekehrt wird jeder vorausschauende „Modernisierer" wissen, dass es, wo sich so vieles mit solchem Tempo ändert, Widerlager und Stabilisatoren braucht. Rasanter Fortschritt braucht das gelegentliche Atemholen, Nach-Denken. Philosophen, Soziologen und Psychologen haben in ihrer Auseinandersetzung mit dem Fortschrittsdenken der Neuzeit gezeigt, dass dieser Fortschrittswelt immer auch etwas Bewahrendes, Konservatives innewohnt. Was freilich nicht zu verwechseln ist mit Rückwärtsgewandtheit oder Zukunftsscheu. Vielmehr verlangt gerade das hohe Innovations- und Fortschrittstempo, die stetige Konfrontation mit Neuem und damit auch Fremden zugleich die Vergewisserung im Vertrauten und Bekanntem. Indizien solcher Identitätsversicherung aber finden sich derzeit zuhauf und wie es scheint auch zunehmend.An diesem Punkt zeigt sich die „Anschlussfähigkeit" der christlichen Botschaft an die fraglos dringende Auseinandersetzung um Innovationsbedarf und Innovationsfähigkeit, um Kriterien und Ziele des Innovationsprozesses, um angemessene Wege zu neuer Offenheit für Neues und Erneuerung. Denn dieser Botschaft, die unbestreitbar das neuzeitlich Fortschrittsdenken - auch in seiner Absatzbewegung - prägte und prägt, eignet ein Geschichts- und Zeitverständnis, das der Sinnentleerung der Geschichte die eschatologische Hoffnungsperspektive entgegenzustellen weiß.

Kommentar

  • Plus S. 113-114

    KommentarBande?

    Der Chillida-Altar in der Kunst-Station St. Peter musste weichen.

Aktuell

  • Plus S. 115-116

    KircheBessere Kontrolle sozialer Einrichtungen

    Nach den spektakulären Vorgängen um die Caritas-Trägergesellschaft Trier und die hiesige Provinz des Deutschen Ordens haben die deutschen Bischöfe jetzt eine Arbeitshilfe mit Empfehlungen vorgelegt, wie die Aufsicht in den sozialen Einrichtungen der Kirche verbessert werden kann.

  • Plus S. 116-119

    BambergKeine neuen Pastoralreferenten

    Als „Notbremse“ in einer höchst angespannten finanziellen Situation wertet der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick den Beschluss, künftig keine PastoralreferentInnen mehr einzustellen und auszubilden. Nicht nur im Erzbistum befürchtet man eine negative Signalwirkung dieser Entscheidung.

Blickpunkt

  • Plus S. 119-124

    Für eine Erneuerung im Geist des EvangeliumsKirche im Umbau

    Die deutschen Diözesen durchforsten ihre Haushalte und Stellenpläne unter dem Druck zurückgehender Einnahmen. Dabei geht es immer auch um Grundsatzentscheidungen für den weiteren Weg der Kirche in unserer Gesellschaft. Paul M. Zulehner plädiert für einen Kirchenumbau, der nicht untergehende Strukturen stabilisiert, sondern an den wirklichen Herausforderungen Maß nimmt.

Interview

  • Plus S. 124-129

    Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Katholisch-Theologischen Fakultätentags„Gute Theologie treiben“

    Was wird in Deutschland aus der Theologie als Universitätsdisziplin angesichts des staatlichen Spardrucks, der Herausforderungen durch die Universitäts- und Studienreform und des mit vielen Unsicherheiten verbundenen kirchlichen Strukturwandels? Darüber sprachen wir nach der Jahresversammlung des Katholisch-Theologischen Fakultätentags mit dessen Vorsitzenden, dem Münchner Dogmatiker Peter Neuner. Die Fragen stellte Ulrich Ruh.

Essays

  • Plus S. 129-134

    Der Wandel der Bestattungskultur in DeutschlandAlles Asche?

    Auch wenn im Angesicht des Todes weiterhin vergleichsweise viele auf die überkommenen Sitten und Gebräuche zurückgreifen, hat sich die Gestaltung des Abschieds wie auch der letzten Ruhestätte in den vergangenen Jahren stark verändert. Kirche und Pastoral werden dadurch herausgefordert.

  • Plus S. 134-139

    40 Jahre Liturgiekonstitution im Spiegel der JubiläumsveranstaltungenDurchweg positive Bilanz

    Die Veranstaltungen zum vierzigjährigen Jubiläum der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanums konnten auf die bisherige Erfahrung mit der erneuerten Liturgie zurückblicken. Im historischen Abstand zeigen sich sowohl die unbestreitbaren Vorzüge der „vatikanischen“ Liturgie wie die noch nicht gelösten Probleme: Wie lässt sich in unserer Kultur angemessen Gottesdienst feiern?

  • Plus S. 139-143

    Polen vor der Aufnahme in die Europäische UnionEndspurt mit Hindernissen

    Ab dem 1. Mai dieses Jahres wird Polen der EU angehören. Die Regierung unter Ministerpräsident Leszek Miller hat das Vertrauen der Bevölkerung weithin eingebüßt, die polnische Außenpolitik hat in den letzten Monaten in Europa für Irritation gesorgt. Auch mit dem Verhältnis zwischen den beiden Nachbarn Deutschland und Polen steht es derzeit nicht zum Besten.

  • Plus S. 143-148

    Dekonstruktion und Judentum bei Jacques DerridaProvokation der Theologie

    Jacques Derrida (geb. 1930) gehört schon seit Jahrzehnten auch außerhalb Frankreichs zu den Modephilosophen. In jüngerer Zeit hat er sich verstärkt mit dem Phänomen Religion auseinandergesetzt. Das beflügelt auch die theologische Auseinandersetzung mit dem Werk des Philosophen jüdischer Herkunft.

  • Plus S. 148-151

    Wird die Teilung Zyperns jetzt überwunden?Unter Druck

    Demnächst wird die Mittelmeerinsel Zypern Vollmitglied der Europäischen Union. Gelingt es bis dahin nicht, die seit der türkischen Invasion von 1974 bestehende Teilung der Insel zu überwinden, hält die Türkei einen Teil des EU-Territoriums besetzt.

  • Plus S. 151-155

    Was die Vatikanischen Archive verratenBischofswahlen in Deutschland

    Im Geltungsbereich des Badischen und Preußischen Konkordats werden Bischöfe vom Domkapitel aus einem römischen Dreiervorschlag gewählt. Das ist heute ein Ausnahmefall gegenüber der direkten Ernennung durch den Papst. Vor kurzem geöffnete vatikanische Archivbestände erlauben interessante Einblicke in die Praxis deutscher Bischofswahlen zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg.

  • Plus S. 155-159

    Politik und Kirche auf den PhilippinenKatholisch in Südostasien

    Die Namen philippinischer Politiker und Bischöfe verweisen heute noch auf die spanische Kolonialvergangenheit. Im einzigen mehrheitlich katholischen Land Asiens hat die Kirche eine große Verantwortung angesichts politischer und gesellschaftlicher Missstände wie der anhaltenden Auseinandersetzungen mit der muslimischen Minderheit.

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