Leserbriefe

Pro und Contra Impfpflicht

In seinem Kommentar „Der Mensch und die Masse“ gibt Johannes Röser in dankenswerter Klarheit eine Stellungnahme zum aktuellen pandemischen Geschehen ab. Dass dank moderner Wissenschaft so zeitnah Impfstoffe entwickelt werden konnten, ist fürwahr ein Segen und hat jetzt schon vielen Menschen das Leben gerettet. Die aktuelle Situation droht nun aber medizinisch aus dem Ruder zu laufen. Nicht nur das Gemeinwohl ist gefährdet, die persönliche Freiheit ist es letztlich auch – spätestens dann, wenn man lebensgefährlich erkrankt.

Eine Impfpflicht, „das Ungemütliche“, wie Röser es nennt, durchzusetzen, ist politisch vonnöten, und zwar eine Impfpflicht nicht nur für bestimmte Berufsgruppen, sondern eine solidarische Impfpflicht für alle.

Dr. med. Marie-Luise Giebel, Sinzheim

Ich stimme vollkommen zu, dass es in dieser Zeit der Pandemie angebracht ist, größere Veranstaltungen und Menschenansammlungen zu meiden. Aber deshalb gleich eine Impfpflicht zu fordern, geht mir persönlich zu weit. Müssten wir nicht vorher zum Beispiel auch fragen, welche Rolle Medikamente gegen Covid spielen könnten?

Was die Impfung selbst angeht: Ich würde eher einem Totimpfstoff vertrauen, der auf inaktivierten Viren basiert, als einem der neuartigen mRNA-Impfstoffe, zu denen es viel weniger Erfahrungen gibt.

Ich bete zu Gott, mich auf meinem Weg zu begleiten. Auch denke ich, dass eine gesunde Lebensweise – die Abstands- und Hygieneregeln sowie den freiwilligen Verzicht auf Kontakte beinhaltet – sowie Vertrauen statt Angst uns durch diese Zeit begleiten sollten.

Andrea Kühn, Angermünde

Leben passiert jetzt

Vieles wurde schon gesagt über die Jubiläums-Ausgabe von „Wetten dass…?“ (vgl. „Ein Traditionswerk“, sowie die Leserbriefe). Ich möchte noch einen weiteren Gedanken hinzufügen. Auch ich gehöre zur „Generation Golf“, und ja, auch ich habe die Sendung damals sowie die Jubiläums-Sendung jetzt angeschaut. Aber seien wir ehrlich: Die Sendung lebte von der Vergangenheit. Sie war ein langer – netter! – Blick zurück in eine heile Welt, die wohl damals schon nicht mehr heil war.

Vielleicht ist dieser Blick zurück mit dem Gefühl „Geht ja alles noch!“ genau die verhängnisvolle Optik der katholischen Kirche. Oder der gestaltenden Generation der Kirche: Wir sehen, dass es für uns im fortgeschrittenen Alter noch stimmt. Soll daraus also ein „Weiter so“ folgen? Warum Neues?

Dies ist die eingeschränkte Optik, die jede Generation hat. Sie bestärkt sich in dem, was ihre Identität ausmacht. Eine beruhigende Selbstvergewisserung. Das war auch bei den 13,8 Millionen Zuschauern so. Aber wie viele hätten ein zweites Mal eingeschaltet? Ja, Zeitreisen haben ihren Reiz. Aber sie sind nicht die Gegenwart. Meine Tochter saß neben mir auf dem Sofa, schaute mit uns die groß angekündigte Sendung und sagte nach 15 Minuten ratlos: „Was soll das? Der redet ja nur und es passiert nichts.“

Vielleicht ist das ja ein Satz, den die nachkommende Generation auch in einem unserer Gottesdienste sagen würde. Leben passiert jetzt, nicht in der Erinnerung. Die Kirche sollte auf die kommende Generation hören, nicht auf die Nostalgie.

Oliver Kraaz, Zürich

Mahnen oder machen?

Es drängt mich, zum Beitrag „Luft nach oben“ von Kristina Kieslinger etwas anzumerken. Weil für mich die Kirche noch wichtig ist, habe ich nämlich größte Sorge, dass der Umgang mit dem Thema Klimaschutz/Bewahrung der Schöpfung ein weiterer Bereich werden könnte, in dem wir unsere Glaubwürdigkeit verspielen.

Wir haben Laudato si gelesen, wir haben Stellungnahmen der Bischöfe zur Kenntnis genommen und viele Predigten zum Thema Umwelt gehört. Wir wissen: Erhaltung der Schöpfung und Umweltschutz sind dringende Aufgaben – und als Christen haben wir dabei besondere Verantwortung vor Gott und den Menschen. Somit bleibt also nur die eigentliche Frage: Warum tut die Kirche – die deutschen Bistümer und auch der Vatikan – in ihrem jeweils eigenen Verantwortungsbereich so erschreckend wenig? Die Maßnahmen, die bekannt sind, reduzierten in den letzten Jahren den CO2-Ausstoß bestenfalls um einen kleinen einstelligen Prozentsatz!

Wem die Kirche noch etwas bedeutet, der sollte nach einer ehrlichen Antwort auf diese Frage suchen. Es geht dabei im Kern um das Bild, das die Kirche von sich und ihrer Rolle in der Gesellschaft hat. Die Antwort ist nicht nur für den Klimaschutz, sondern für viele Probleme und Krisen der Kirche relevant!

Thomas Michalski, Hildesheim

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