Impfen und GlaubenVertrauenssache

Corona-Welle, die vierte: zwischen Verunsicherung und Hoffnung.

Einige Fachleute hatten es zwar vermutet, die Vehemenz der vierten Corona-Welle irritiert dennoch. Mehr Infektionen als vor einem Jahr, als es noch gar keine Immunisierung gab. Nun jedoch ist die große Mehrheit „vollständig geimpft“. Waren die anfangs geschürten Erwartungen hinsichtlich der Wirksamkeit der Impfstoffe doch etwas übertrieben? Immerhin verläuft eine Infektion bei Geimpften weniger gefährlich als bei Ungeimpften. Dennoch lassen sich die schweren Komplikationen und erneut sehr vielen Todesfälle vor allem unter Älteren nicht ignorieren. Der Schrecken der Pandemie hält eine gesundheitspolitisch umsorgte und behütete wohlhabende Gesellschaft umklammert, wobei sich auch schon wieder Nachlässigkeit und Rücksichtslosigkeit breitmachen, die Hauptursache der Virus-Ausbreitung.

Mündig in praktischer Vernunft

Auffrischungsimpfungen sollen die Immunabwehr verstärken. Auf wie lange Zeit? Die Ernüchterung begünstigt Skepsis. Das muss nicht schlecht sein. Manchmal wünschte man sich gesellschaftlich sogar mehr kritische Eigen-Nachdenklichkeit. Angesichts der real helfenden Impfungen wäre aber auch mehr Skepsis gegenüber der Skepsis, gegenüber maßlosen Sorgen, Bedenken, Ängsten angebracht. Und mehr Vertrauen. Denn Leben ist nur aufgrund von Vertrauen möglich. Keiner bringt sich selber ins Leben, jeder wird jederzeit von Fremdverantwortung sowie Fremdverlässlichkeit getragen. Zeitlebens sind wir abhängig von Autoritäten, die uns helfen, mündig zu werden, eine eigene praktische Vernunft auszubilden im Umgang mit den Dingen wie dem eigenen Leben. Vertrauen in die Wissenschaft, in Kulturschaffende, in die medizinische und pharmakologische Forschung hat der Menschheit großartige Entwicklungsschübe beschert. Wir profitieren von dem, was Generationen vor uns auf den Weg brachten, auch aufgrund deren Risikos, das unsere Risiken minimiert. Man kann nur zutiefst dankbar sein für das Wunder, dass in derart kurzer Zeit Impfstoffe gegen die Pandemie gefunden und produziert wurden. Aus religiöser Perspektive könnte man sagen: Wer diese nicht nutzt, versündigt sich an der Schöpfung. Jeder Mensch ist Laie auf fast allen Gebieten. Das gilt erst recht für den propagierten „mündigen“ Patienten, der auf seinen Arzt vertrauensvoll angewiesen bleibt.

Kraft der Tradition

Wie bei medizinischer Hilfe und ärztlichem Rat kommt das Mängelwesen Mensch ohne die Schätze der Weisheit, Vernunft und Verantwortung von vielen Anderen kulturell nicht aus. Das gilt ebenso fürs Religiöse, für Glauben, für Gottvertrauen. Es ist gleichfalls geknüpft ans Glauben der Zeugen, Ahnen und Lehrmeister des Christlichen, an den lebendigen langen Strom einer sich ständig erneuernden Tradition, die uns Heutigen Kunde gibt von der Hoffnung, die ins Ewige tragen kann und trägt. Impfen und Glauben – beides ist ähnlich Vertrauenssache, Vertrauen in die Vielen vor uns und mit uns, die gut sind und die es gut mit uns meinen.

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