Leserbriefe

Zapfenstreich

„Darf man gefallene deutsche Soldaten mit einem Zapfenstreich ehren?“ Diese Frage stellen Sie in CIG Nr. 43 zur Diskussion. Ich schließe mich weder dem eindeutigen Pro noch dem eindeutigen Contra an.

Dem Großen Zapfenstreich eine quasireligiöse Bedeutung zuzusprechen halte ich für ebenso falsch, wie eine völlige Gewaltlosigkeit aus der Heiligen Schrift herzuleiten. Unser Land benötigt sehr wohl Menschen, die bereit sind, für unsere Werte einzustehen, auch mit der Waffe in der Hand und möglicherweise den Tod vor Augen.

Richtig, der Große Zapfenstreich in seiner heutigen Ausführung entspringt einer langen militärischen Tradition. Ich finde, er kann weiterhin den Herrschenden vorbehalten bleiben, also dem Bundespräsidenten, dem Bundeskanzler, einem Verteidigungsminister und allen Generälen.

Für die einfachen Soldaten jedoch sollte eine neue, dem Wesen der deutschen Parlamentsarmee entsprechende Tradition einer höchsten staatlichen Ehrung geschaffen werden. Eine Ehrung „nur“ für die Soldatinnen und Soldaten, die im Einsatz gefallen oder an Leib und Seele verwundet sind. Eine Ehrung, die von den Menschen im Land verstanden und geachtet wird.

Johannes Tolxdorff, Benz-Reetzow

Evolution des Glaubens?

Danke für das Interview mit Johannes Röser. Es ist erfreulich, dass er sich um die Anschlussfähigkeit des Christentums an die Weltwirklichkeiten bemüht. Leider hat die Kirche die Bedeutung dieses wichtigen Impulses noch kaum erkannt, vielleicht auch aus Angst. Denn die Einbeziehung der kosmischen und biologischen Evolution hätte – entgegen bisheriger Meinung – eben doch starken Einfluss auf den Glauben und würde bestimmte Positionen gefährden.

Wenn wir die Welt als Schöpfung begreifen, so hat da einer am Anfang den Elementarteilchen, die seit dem Urknall durchs Weltall fliegen, eine Art innere Dimension mitgegeben, die dann in den Lebewesen bis zu uns zur Entfaltung kommt. Damit erhalten wir von unserer Innenseite her Kontakt zu jener größeren Innenseite mit dem Namen „Himmel“ und damit zu jenem, der uns als Partner wollte.

Außerdem ist zu bedenken, dass die Menschheit bei ihrem Hervortreten aus dem Tierreich eben nicht nur das Körperliche mitbringt, sondern auch eine Fülle von Mentalitäten und Verhaltensmustern, die wir teils in rechter Weise gebrauchen können, die sich aber genauso bis ins Kriminelle steigern lassen, alter Name: Sünde. Durch Jesus will Gott den Menschen eine Stufe höher führen: von der Ichsucht zur Solidarität, vom Hass zur Menschenfreundlichkeit, von der Rache zur Vergebung.

Dieter Müller, Magdeburg

Ein roter Faden

Zu Ihrem erhellenden Essay über Halloween möchte ich anmerken: Ich habe erlebt, wie alle vier Anlässe dieser Tage liturgisch sinnvoll miteinander verbunden wurden. Am Reformationstag wurde ein großer ökumenischer Schulgottesdienst in der evangelischen Eutiner Stadtkirche gefeiert. Abends gab es einen Vortrag über die Geschichte des Brauchs rund um Halloween. Und am 1. November einen ökumenischen Schulgottesdienst in der katholischen Marienkirche.

Auf diese Weise lässt sich der rote Faden unseres Glaubens gut vermitteln: 1) Bei Gott gibt es nichts zu verdienen; er liebt bedingungslos und vorleistungsfrei (Reformationstag). 2) Gottes Liebe entmachtet die Angst des Menschen um sich selbst, die Wurzel allen Übels und jeden Krieges ist (Halloween). 3) In Gottes Liebe sind wir alle Heilige, Könige, Priester und Propheten im Sinne unserer Taufgnade (Allerheiligen). Und 4.): An den Gräbern unserer Verstorbenen beten wir nicht, dass diese bitte irgendwann in den Himmel kommen mögen (das wäre Ablasshandel). Sondern wir danken Gott, dass er im Todesaugenblick jeden Verstorbenen vollendet (Allerseelen).

Maren Ellerbrock, Eutin

DJ Ötzis Bekenntnis

Ich hatte den Eindruck, dass im Kommentar „Der Glaube der Promis“ das Bekenntnis von DJ Ötzi insgeheim etwas belächelt wird. Er hatte erklärt, er fände Jesus im Gegensatz zu Gott „cool“, mit ihm könne er sprechen. Aus meiner Sicht aber trifft er damit nicht nur oberflächlich das zentrale Alleinstellungsmerkmal des Christentums: Nur durch Christus wissen wir von Gott als einem liebenden, barmherzigen Schöpfer. Ansonsten wäre Gott völlig unnahbar. „Gott ohne Jesus ist der Teufel“, soll es Luther auf den Punkt gebracht haben. Ich vermute, dass DJ Ötzi dem ziemlich nahe kommt.

Daniel Offermann, Wuppertal

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