Ahr-Psalm

Schreien will ich zu dir, Gott, mit verwundeter Seele, doch meine Worte gefrieren mir auf der Zunge.

Es ist kalt in mir, wie gestorben sind alle Gefühle, starr blicken meine Augen auf meine zerbrochene Welt.

Der Bach, den ich von Kind an liebte, sein plätscherndes Rauschen war wie Musik, zum todbringenden Ungeheuer wurde er, seine gefräßigen Fluten verschlangen ohne Erbarmen.

Alles wurde mir genommen. Alles! Weggespült das, was ich mein Leben nannte …

Wo warst du Gott, Ewiger, hast du uns endgültig verlassen? … Dein Schweigen quält meine Seele, ich halte es fast nicht mehr aus. Wie sich Schlamm und Schutt meterhoch türmen, in den zerstörten Straßen und Gassen und deren Schönheit sich nicht mehr erkennen lässt, so sehr vermisst meine Seele dein Licht …

Auch wenn du mir rätselhaft bist, Gott, noch unbegreiflicher jetzt, unendlich fern, so will ich dennoch glauben an dich, widerständig, trotzig, egal, was dagegen spricht … Würdest du doch nur endlich dein Schweigen beenden, doch ich halte es aus und halte dich aus, oh Gott.

Halte du mich aus!

Und halte mich, Ewiger!

Halte mich!

Den Ahr-Psalm hat der ehemalige „Wort zum Sonntag“-Sprecher Stephan Wahl getextet. Der Priester stammt aus dem Kreis Ahrweiler, diese Klageworte widmete er vor allem den Flut-Toten in einer Behinderteneinrichtung in Sinzig. Vorgetragen wurde der Psalm jetzt beim ökumenischen Gottesdienst für die Opfer der Flutkatastrophe im Hohen Dom zu Aachen. Der komplette Text ist zu lesen unter www.bistum-trier.de

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