Leserbriefe

Lebendige Streitkultur

„Chapeau!“ – für diesen kollegialen Diskurs im CIG (vgl. u.a. „Anders, als ‚man‘ denkt“ und „Nochmal anders, als ‚man‘ denkt“ in CIG Nr. 25 – 27). Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen gehören in der Tat zur menschlichen und christlichen Geschichte, zur Weiterentwicklung dazu. Erst im Gespräch miteinander nähern wir uns dem an, was richtig, was „die“ Wahrheit ist. Nicht immer hat die Mehrheit recht, aber auch nicht immer die – real oder angeblich unterdrückte – Minderheit. Vielleicht haben manchmal beide recht oder beide auch unrecht. Entscheidungsfindung nach dem Konsens- statt dem Mehrheitsprinzip ist oft wertschätzender für alle und daher beständiger, auch wenn es vielleicht länger dauert.

Norbert Müsch, Rees

Herr Langer hat mir in vielen Punkten „aus der Seele gesprochen“ und das gewisse Unbehagen, das ich beim Lesen des ersten Beitrags empfunden habe, treffend in Worte gefasst. Diese Replik habe ich als Ausdruck einer lebendigen und konstruktiven journalistischen Streitkultur wahrgenommen.

Wolfram Böhm, Fulda

In diesem Fall scheint Herr Röser das bessere Gespür für das Diskursklima im Land zu haben. Es wäre ja schön, wenn das bessere Argument sich am Ende durchsetzte, wie es sich Herr Langer wünscht – nur dass allzu oft gar keine Argumente mehr ausgetauscht werden, sondern Personen durch Etiketten wie „rechts“, „menschenverachtend“, „rassistisch“, „alt“, „weiß“ usw. für den Diskurs disqualifiziert werden sollen. Die Frage ist nicht, ob es eine Grenze des Unsäglichen geben soll. Der Streit entzündet sich an der Frage, wo diese verlaufen soll.

Holger Selig, Hamburg

Mit großer Anteilnahme habe ich diese Debatte verfolgt. Ich neige der Ansicht Rösers zu. Langer hat zwar recht mit der Feststellung, dass wir nicht in einer „Meinungsdiktatur“ leben. Aber wir leben in einer Zeit extremer, oft beängstigender Polarisierung. Erzeugt wird diese Polarisierung heute vor allem durch den Zusammenprall von rechter und linker Identitätspolitik. Tribalisierung ist die Folge. Kompromisslos wird bekämpft, was sich dem eigenen Stamm in den Weg stellt. Das ist Politik nach der Logik des Freund-Feind-Schemas von Carl Schmitt. Ich kann gut verstehen, wenn Menschen das Gefühl haben, man könne in Deutschland seine Meinung nicht mehr frei äußern. Wer einmal einen Shitstorm erlebt oder beobachtet hat, in dem ein digitaler Lynchmob von rechts oder von links über Mitmenschen herfällt, der wird, wenn er nicht gerade hartgesotten ist, lieber den Mund halten. Ein zentrales Problem unserer Debatten-Unkultur ist das, was die Schweizer so anschaulich „Schubladisierung“ nennen. Wer in der falschen Schublade landet, ist aus dem Kreis der Anständigen exkommunziert.

Michael Mertes, Wachtberg

Ich habe den CIG in seiner Gesamtheit immer schon als ausgewogen und bereichernd empfunden. Positiv finde ich, dass es zuletzt eine feine Kurskorrektur gab – dass der bisher manchmal anzutreffende kulturpessimistische Ton weniger geworden ist.

Judith Schickel, Winterrieden im Unterallgäu

Die Debatte finde ich zwar interessant und prinzipiell nachvollziehbar, aber den „Streit“ in dieser Öffentlichkeit auch ein wenig irritierend.

Christian Herrmann, Regensburg

Die Auseinandersetzung zwischen Herausgeber und Chefredakteur finde ich als Leser anregend. Danke, dass mir das nicht verschwiegen wird.

Franz Eberhardinger, Stuttgart

Es ist für mich sehr wichtig, verschiedene Meinungen zu lesen. Manchmal merke ich gerade dann, dass meine eigene Meinung auch mal sozusagen „gegen den Strich gebürstet“ werden muss.

Petra Marzinzig, Grasellenbach

Die Streitkultur, die hier im Schlagabtausch geübt wird, ich finde sie erfreulich. Verschiedene Meinungen auszutauschen, in fairem Gegen- und letztlich Miteinander, ich denke, das brauchen wir. Ich selbst bin immer wieder hin- und hergerissen, „politisch korrekt“ zu denken – und auf der anderen Seite meinem Bauchgefühl, Widerwillen, dem „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ nachzugeben. Bravo, dass Sie beides kontrovers angesprochen haben. Solcher Meinungsaustausch bestärkt mich in meiner Liebe zum CIG.

Friedrich Glöckler, Königstein

Unabhängig von den Überzeugungen, die in den Artikeln vertreten wurden, verdient es Anerkennung, dass auch innerhalb des CIG-Teams Mut zu Meinungsvielfalt vorhanden ist. Für uns Leser ist es wohltuend zu wissen – gerade in dieser „Mainstream-Zeit“–, dass es dem CIG-Team um die Sache geht. Weiter so!

Barbara und Peter Christgau, Deuerling


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