Frauen in sakramentalen ÄmternDiakoninnen und Witwen: Weibliche Elite der Alten Kirche

Die Geschichte der katholischen Kirche war immer eine Geschichte des Wandels.

In den ersten Jahrhunderten nach Christus spielten Diakoninnen eine wichtige Rolle in der Kirche. Das konnte die Mainzer Theologin Heike Grieser bei einer Studientagung in der Katholischen Akademie in Bayern belegen. Dazu untersuchte sie Grabinschriften, Kirchenordnungen, Konzilsbeschlüsse und Gesetzestexte der römischen Kaiser. Diakoninnen waren offenbar im Osten stärker verbreitet als im Westen, wo sich Widerstände gegen ihre Tätigkeit regten. Zu Beginn des zweiten Jahrtausends verschwanden sie im Osten, im Westen tauchen sie nur noch vereinzelt im Mittelalter auf. Es handelte sich um Jungfrauen oder Witwen, die nicht erneut heirateten. Sie kümmerten sich um Reisende, assistierten bei der Taufe von Frauen, waren als Platzanweiserinnen in Kirchen tätig oder verrichteten Botengänge. In einigen Traditionen wurden sie vom Bischof geweiht, andernorts zählten sie zu den Laien. Eine von ihnen hat es bis ins Zentrum der römisch-katholischen Kirche geschafft: Olympias, eine einflussreiche Diakonin aus Konstantinopel, findet sich heute als Statue auf dem Petersplatz (vgl. auch ihre Ikone, kleines Bild S. 473).

Bis ins vierte Jahrhundert lassen sich auch zahlreiche Frauen nachweisen, die als selbstständige Seelsorgerinnen arbeiteten. Diese lehrten, tauften, versorgten Bedürftige und wurden von der Gemeinde unterhalten. Manche gaben auch Auskunft über schwierige theologische Fragen und begleiteten Büßer seelsorglich. Der Bonner Kirchenhistoriker Georg Schöllgen spricht von der „weiblichen Elite“ der Alten Kirche. Über Jahrzehnte hatten sie in den Gemeinden „deutlich mehr Einfluss“ als der damals noch nicht professionalisierte Klerus, so Schöllgen. Bis den Frauen seit Beginn des dritten Jahrhunderts zahlreiche Aufgaben entzogen wurden. „So radikal wurden Befugnisse einer kirchlichen Gruppe noch nie beschnitten“, sagt der Historiker.

Es gab also seelsorglich tätige Frauen – und es gab ihre Ablehnung. Schon in ihren Anfängen bewies die Kirche Kreativität im Umgang mit Richtungskonflikten und Unstimmigkeiten: Neue Ämter bildeten sich heraus, alte wurden abgeschafft, jeweils in Anpassung an die Situation. Was folgt daraus für die aktuelle Debatte über die Rolle der Frau in der Kirche? Etwa bei der Frage zum Frauendiakonat, zu der Papst Franziskus wiederholt eine Expertenkommission eingesetzt hat? „Die Wissenschaft hat ihre Arbeit getan, vor allem die Kirchenhistoriker“, fasst Heike Grieser zusammen. Aber: „Offenbar tut man sich schwer mit der Bewertung des Befunds.“ Allgemein sollte man aber mutiger sein, Amtsverständnis und Zugangsbestimmungen zu ändern. Die Geschichte der katholischen Kirche war immer eine Geschichte des Wandels.

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