Weihwasser-SegnungMit der Wasserpistole gegen Dämonen

Dass das Christentum eine komplizierte Beziehung zu Waffen hat, ist nichts Neues. Da können die Propheten des Alten Testaments noch so hoffnungsvoll von einer Welt träumen, in der Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet werden, die Faszination, die Allmacht Gottes militärisch nutzbar zu machen, zieht sich quer durch die Bibel. Von Moses’ Stab, der sich bei Bedarf in eine Schlange verwandelt – und damit als eine der ersten biologischen Waffen in die Geschichte eingehen dürfte –, zu Posaunen, die als Belagerungsgerät ganze Stadtmauern zum Einsturz bringen. Sogar Jesus, der im Matthäusevangelium noch sein berühmtes „Wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen“ ausruft (26,52), darf in Johannes’ Apokalypse-Version eine mächtige Waffe führen, „dass er damit die Heiden schlüge“ (19,15).

Wie lebendig dieser Wunsch nach einer heiligen Militärintervention noch immer ist – insbesondere im Waffen gegenüber sowieso nicht abgeneigten Amerika –, zeigte sich zuletzt am Beispiel des Priesters Tim Pelc aus Michigan. Der hatte während der Corona-Beschränkungen nach einer ansteckungssicheren Lösung gesucht, die Gläubigen mit Weihwasser zu segnen, und kurz entschlossen zur Wasserpistole gegriffen. Die Bilder des Geistlichen, der in seiner festlich weißen Soutane mit einer grünen Plastikpistole in vorbeifahrende Autos spritzt, gingen um die Welt. Und machten den Michiganer Priester über Nacht zur Internetsensation.

Zahllose Nutzer bauten den Priester mit der Weihwasserpistole in immer neue Bilder ein. Ließen ihn gegen Filmschurken, Monster oder ganze Höllenarmeen antreten. Pelc nimmt diese neue Rolle gern an. „Dass mich Menschen im Internet mit der Waffe in der Hand gegen Dämonen ankämpfen lassen, das finde ich richtig großartig“, verkündete er in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Das sei „eine sehr zeitgemäße Auseinandersetzung mit der Frohen Botschaft“. Nach der Regulierung von echten Waffen in seinem Heimatstaat gefragt, wird er allerdings kritischer und wünscht sich, dass sich die Stimmung im Land bald ändert. „Immerhin bringen nur wenige ihre Schusswaffen mit in die Kirche.“

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