NiedrigstzinsenFinanzen absurd

Negative Zinsen, bröckelnde Altersvorsorgen und massenhaft neues Geld, das plötzlich niemandem mehr nutzt. Die Situation auf dem Finanzmarkt wird immer absurder.

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Helmut Schleweis, hat die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank schärfstens kritisiert. „Was Sie machen, ist falsch“, schrieb er an deren scheidenden Präsidenten Mario Draghi. Massenhaft werde Geld auf den Markt geworfen, so dass die Zinsen verschwinden, sogar ins Negative kippen. Die „Regeln der Wirtschaft“ würden „auf den Kopf“ gestellt. Am meisten leiden darunter die einfachen Sparer, die nicht risikoreich in Aktien anlegen können oder wollen, die gewissenhaft für den – späteren – Unterhalt vorsorgen, Verantwortung für ihre Familie übernehmen, für die Kinder und Enkelkinder etwas zurücklegen möchten, denen es einmal nicht so gut gehen wird wie der vorgerückten Generation. Die Vermögenden flüchten sich in Immobilien, treiben deren Preise und Mieten in unerschwingliche Höhen. Wie im biblischen Gleichnis wird dem, der wenig hat, auch das noch genommen, was er hat. Eine brutale Enteignung! „Die Altersvorsorge für Millionen Menschen schmilzt wie Schnee in der Sonne.“ Soziale Verwerfungen drohen. Neben Pensionskassen und Sozialversicherungen geraten Geschäftsbanken in Schwierigkeiten, weil sie Kredite billigst vergeben müssen, was nicht hinreichend Gewinn abwirft.

Selbst die Reichen wissen nicht, wohin mit ihrem vielen Geld. Der Starinvestor Warren Buffet hat keine Idee, wo er sinnvoll investieren kann, weshalb seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway auf Unmengen „flüssigen“ Kapitals sitzt. Kommt die Finanz- mit der Realwirtschaft an die vorhergesagten Grenzen des Wachstums? Geht der Turbokapitalismus des puren Mehr und Noch-Mehr an sich selber zugrunde?

Jetzt werden auch noch die aufrechten Sparer beschuldigt, zu wenig für Konsum auszugeben. Ein absurder Vorwurf ausgerechnet in exzessiven Konsumnationen. Noch mehr Konsum heizt den Klimawandel an. Wieder absurd. Die echt Armen aber haben nicht, was sie für ihren Fortschritt bräuchten. Wie kommen sie an Geld? Wie entstehen bei ihnen solide Handwerksbetriebe und Unternehmen aus einem erst zu schaffenden Mittelstand? Vor Ort muss ja ein gesunder Wirtschafts- und Finanzkreislauf entstehen, statt dass die dortigen „Eliten“ ihr Vermögen weiter in ausländische Großbanken und Konzerne transferieren. Bleibt das Investieren in nachhaltiges Wirtschaften. Aber auch das ist leichter gefordert als getan bei nicht üppigen Gewinnen. Und schlussendlich muss es gleichfalls in Konsum münden, der nicht klimafreundlich ist. Dann bleibt noch: „überflüssiges“ Kapital an die Armen verschenken. Gut gemeint, wirtschaftlich produktiv jedoch nicht, wenn es bloß Abhängigkeiten schafft und nicht Eigenkreativität inspiriert. Geld, Geld, Geld im Überfluss. Es wird immer absurder.

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Anzeige: Mitten im Leben. Post von Margot Käßmann

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