Mit Mord und Hass gegen „das Volk des Kreuzes“: Ein Video und Sure 98

In einem libyschen Massengrab nahe der Küstenstadt Sirte sind die Überreste von 34 ermordeten äthiopischen Christen entdeckt worden. Diese waren 2015 von Terroristen des sogenannten Islamischen Staats umgebracht worden. Die Gebeine sollen nach Äthiopien überführt werden.

Bereits im April 2015 hatten die Dschihadisten ein Video verbreitet, in dem die Ermordung von zwei Gruppen äthiopischer Christen gezeigt wird. Diese jungen Leute aus ärmsten Verhältnissen waren als Flüchtlinge nach Libyen gekommen, um dort Arbeit zu finden oder nach Europa weiterzuziehen. Die Hassbotschaft der extremistischen Muslime lautet: „Gegen das Volk des Kreuzes“. Neben der grauenhaften Hinrichtung wurden Bilder der Zerstörung von Kirchen, Ikonen und christlichen Gräbern im Nordirak gezeigt. Die Opfer wurden als Angehörige der „feindlichen äthiopischen (orthodoxen; d. Red.) Kirche“ bezeichnet.

Wenige Monate zuvor war bereits zwanzig koptischen Arbeitsmigranten aus Ägypten und einem ghanaischen Arbeitskollegen von IS-Leuten der Kopf auf bestialische Weise geradezu abgesäbelt worden. Diese 21 Märtyrer sind inzwischen von der koptischen Kirche heiliggesprochen. Zu ihrem Andenken wurde ein Heiligtum in Our in der Region Samalut errichtet. Auch die Leichen dieser christlichen Märtyrer waren – bereits 2017 – in einem Massengrab unweit von Sirte entdeckt worden. Während internationale Medien über das Schicksal der 21 koptischen Märtyrer berichteten, blieben die Meldungen von der Ermordung der äthiopischen Märtyrer weitgehend auf Nord- und Ostafrika beschränkt.

In dem entsprechenden Propagandavideo des Islamischen Staats ist zu sehen, wie eine Gruppe Äthiopier am Strand bei Sirte geköpft und eine andere Gruppe an einem unbekannten Ort im Landesinneren Libyens durch Genickschüsse getötet wird. Wie die Wiener Stiftung „Pro Oriente“ für die Ostkirchen berichtet, offenbart das Video eine völlig wirre Gedankenwelt. Unter dem Titel „Bis ein deutlicher Beweis zu ihnen kam“ bezieht sich der Islamische Staat auf Sure 98 des Koran, die den „Buchbesitzern“, also den Christen, und ihren „ungläubigen Beigesellern“ die wahre Religion befiehlt, zu denen nun der „klare Beweis“ gekommen sei: „ein von Gott Gesandter, der gereinigte Blätter vorträgt, auf denen beständige Schriften stehen“. Angeordnet wird in dieser Sure, Gott zu verehren, sich allein ihm rechtgläubig anzuvertrauen, das Gebet zu verrichten und die Armensteuer zu entrichten. „Das ist die Religion, die Bestand hat.“ Die „einzigen Möglichkeiten“ für die Christen seien: Bekehrung zum Islam oder Zahlung der ausgiebigen Sondersteuer – Dschizya – für den „Schutz“ durch die muslimischen Machthaber.

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