Bestseller sagen, was verloren geht

Der Blick auf die meistverkauften Titel verrät einiges über die Stimmungslage einer Gesellschaft. Davon ist der Literaturkritiker Jörg Magenau überzeugt. In seinem neuen Buch (erschienen bei Hoffmann und Campe, Hamburg) untersucht er das Phänomen der Bestseller. Wenn man sich die Listen genauer anschaut, „kann man schon eine Menge sagen über die Entwicklung des Landes und über die kollektiven Neurosen und Ängste“, erklärte Magenau im Interview mit dem „Deutschlandfunk“.

Was aber macht überhaupt aus einem Buch einen Bestseller? Aus Sicht Magenaus geschieht das, wenn der Titel ein Thema aufgreift, das in der Gesellschaft verloren geht. Aktuell sei das etwa das Erleben der Natur. „Wir betreten noch irgendwelche Forstplantagen, wir betreten irgendwelche landwirtschaftlichen Großproduktions- und Genossenschaftsflächen, aber wir betreten nicht mehr die Natur.“ Deshalb seien Bücher erfolgreich, die von dieser Natur erzählen, wie beispielsweise „Das geheime Leben der Bäume“. Der Kritiker ist überzeugt: „Wir sorgen uns um das Verschwinden der Insekten, das Verschwinden der Vögel, der Spatzen, die aussterben. Und je mehr etwas verloren geht, umso stärker lesen wir darüber.“

So weit, so nachvollziehbar. Aber heißt es nicht immer, dass sich auch der Glaube, die Religion, im Niedergang befinden? Wo aber taucht dieses Thema in den Bestseller-Listen auf?

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