Leserschwund in den besten Jahren: Keine Zeit fürs Buch

Im sogenannten Land der Dichter und Denker lesen die Menschen immer weniger. Die Zahl der Buchkäufer nimmt rapide ab. Im vergangenen Jahr erwarben nur noch dreißig Millionen Bundesbürger mindestens ein Buch. 2013 waren es noch sechs Millionen mehr. Das hat der Börsenverein des deutschen Buchhandels mitgeteilt. Auch der Umsatz des zweitgrößten Buchmarktes weltweit nimmt ab. Nach einem Plus 2016 verzeichnete die Branche 2017 ein Minus von 1,6 Prozent auf 9,13 Milliarden Euro.

Zudem werden insgesamt weniger Bücher gekauft. 2017 waren es auf dem Publikumsmarkt 367 Millionen, 2013 noch 398 Millionen. Eine gewisse Stabilität beim Absatz wird dadurch erreicht, dass diejenigen, die Bücher erwerben, Intensivleser sind und noch mehr Exemplare kaufen als früher.

Als Hauptgrund für den Rückgang der Leselust hat eine Studie des Branchenvereins fehlende Zeit ermittelt. Hektik und Stress halten immer mehr Leute davon ab, Bücher zu lesen. Das Buch passt nicht mehr zum Lebensrhythmus. Die stärksten Rückgänge gibt es in der jüngeren und mittleren Generation zwischen zwanzig und fünfzig, also in den besten Jahren.

Die Digitalisierung der Medienwelt trägt ebenfalls zum Leserschwund bei. „Es wächst der soziale Druck, ständig reagieren und dranbleiben zu müssen, um nicht abgehängt zu werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis. So verbringt man viel Zeit damit, im Internet zu surfen, soziale Netzwerke zu bedienen, statt sich konzentriert in ein Buch zu vertiefen. Angesichts von Google, Facebook & Co. sagen immer mehr Menschen, sie kämen einfach nicht mehr dazu.

Bücher seien häufig auch „aus dem öffentlichen Diskurs“ verschwunden, beklagte Skipis. „Der Austausch über Bücher fehlt, Menschen sind weniger involviert in Buch-Themen und fühlen sich überfordert vom großen Titelangebot“, so die Studie. Stattdessen entspannen sich die Leute lieber bei „spannenden“ TV-Serien. Die schaut man massenhaft am Stück, weil hier angeblich das wahre Leben spielt und „echte“ Sehnsüchte bedient werden.

Auch die digitalen E-Books, die lange als Retter der Branche gepriesen wurden, bringen nicht den erhofften Umschwung. 2017 wurden zwar mehr E-Books verkauft als im Vorjahr: Der Absatz legte um eine Million auf 29 Millionen Exemplare zu. Die Zahl der Käufer sank jedoch auch hier um 7,7 Prozent von 3,8 Millionen 2016 auf 3,5 Millionen im vergangenen Jahr.

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