Wenig Priesteramtskandidaten, weniger Diözesanpriester

Die Zahlen, die von der deutschen Bischofskonferenz soeben über die Priesteramtskandidaten und (noch) aktiven Seelsorger veröffentlicht wurden, sprechen eine deutliche Sprache: Die Anziehungskraft des Priesterberufs lässt massiv nach. In diesem Jahr werden für alle 27 Bistümer voraussichtlich nur noch 61 Priester geweiht. Nach 2015, als es 58 Weihen waren, ein neuerlicher Tiefstand. Zwanzig Jahre zuvor waren es noch 186. Die meisten Weihen stehen in den Bistümern Freiburg (8) und Rottenburg-Stuttgart (6) an. In den sieben bayerischen Diözesen sind es 21 Weihekandidaten, zehn in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsmäßig größten Bundesland.

Die Zahl der aktiven Geistlichen wiederum sinkt kontinuierlich. Gab es 1990 noch rund 20000 Priester im Dienst, waren es 2016 gerade noch 14000. Die Lücken werden verringert durch Geistliche aus dem Ausland, vor allem aus Indien, Polen und Afrika, was allerdings nicht nur sprachliche Herausforderungen mit sich bringt. Gleichzeitig ändert sich durch die Zusammenlegung von Pfarreien das Berufsprofil der Seelsorger. Sie werden zusehends zu Moderatoren oder „Abteilungsleitern“, die das Gesamte managen.

Der Direktor des Freiburger Zentrums für Berufungspastoral der Bischofskonferenz, Michael Maas, bestätigte, dass die Voraussetzungen der Kandidaten sehr unterschiedlich sind. Früher begannen die allermeisten jungen Männer die Priesterausbildung nach Schulabschluss oder Wehr- oder Zivildienst. Heutzutage beginnt lediglich ein Viertel der Kandidaten unmittelbar nach Schule und Freiwilligendienst mit der Ausbildung. Wer Priester werden will, hat oft schon einen theologischen Abschluss mit einem anderen Berufsziel. Maas spricht von dreißig Prozent. Die übrigen hatten entweder ein anderes Fach studiert oder schon eine sonstige berufliche Tätigkeit hinter sich.

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