Teambuilding mal draußen (5)

Das erlebnisorientierte Lernprojekt, das die Autorin im fünften Beitrag dieser Reihe vorstellt, sagt etwas über die Rollen in Ihrem Team aus. Durch die Bewältigung der herausfordernden Aufgabe ermöglicht es ihm Handlungs- und Erfahrungslernen, ohne dass der Spaß zu kurz kommt.

Teambuilding mal draußen (5)
© fotomek – AdobeStock

Lernprojekte unterscheiden sich von den gängigen, zum Teil aufwendig vorzubereitenden und spektakulären erlebnispädagogischen Arrangements insofern, als sie einem Team mithilfe „schlanker“, d. h. leicht realisierbarer Aktivitäten die Möglichkeit bieten, gemeinsam Aufgaben zu bewältigen. Außerdem können sie fast überall stattfinden und haben trotzdem in den meisten Fällen einen teambuilding-relevanten Bezug zu Themen wie Strukturen, zeitlichen Abläufen, Organisation, Team, Strategieplanung und Zusammenarbeit. „Ohne den Druck, fachliches Können demonstrieren zu müssen, werden Mitarbeiter*innen und Führungskräfte ‚hineingeworfen‘ in Aufgaben, die teils einfach erscheinen, indessen ziemlich anspruchsvoll sind oder erst als quasi unlösbar betrachtet werden und dann umso lockerer erfolgreich umgesetzt werden“ (Heckmaier 2000).

Ausgangslage

Das folgende Lernprojekt eignet sich besonders dann für Ihr Teambuilding, wenn Sie verschiedene Rollen im Team sichtbar machen möchten, um darüber ins Gespräch zu kommen. Wichtig ist, hierbei keine Bewertungen vorzunehmen. Produktiver wird es stattdessen sein, über die Zusammensetzung des Teams zu sprechen und/oder darüber, dass alle Rollen ihre Berechtigung und Bedeutung haben. Aber auch das Herausfinden einer gemeinsamen Strategie, die zum Erfolg führt, sowie die Koordination verschiedener Ideen und Absichten sind mögliche Lerninhalte dieser Aktivität.

Anleitung

Als Team einen Knoten knüpfen
Material: 2 Seile à 10 Meter, ein kürzeres Stück Seil für den „Musterknoten“, evtl. Moderationskarten, DIN A3-Blätter, Flipchartstifte
Gelände: Außengelände der Kita, Park oder Wiese. Je nach Personenzahl sollte eine Fläche von ca. 3 x 3 Metern zur Verfügung stehen
Gruppe: 6–16 Teilnehmende
Zeit: ganz unterschiedlich – im Durchschnitt ca. 30 Minuten

Verlauf

Teilen Sie Ihr Team in zwei Gruppen auf. Dabei ist es irrelevant, ob Kolleg*innen eines Kleinteams zur selben Gruppe gehören oder die Gruppen bunt gemischt sind. Es spielt auch keine Rolle, ob eine der beiden Gruppen eine Person mehr hat. Jede Gruppe bekommt ein Seil und bildet einen Halbkreis, indem jedes Gruppenmitglied ein Stück Seil in beiden Händen hält. Als Leitung präsentieren Sie den Gruppen nun den Musterknoten, den Sie vorher in das kürzere Stück Seil geknüpft haben. Die Aufgabe besteht darin, dass jede Gruppe diesen Knoten an einer bestimmten Stelle in ihr Seil knüpft, ohne die Hände vom Seil zu lösen. Die Gruppe darf sich bewegen und sprechen. Das Seil darf auch durch die Finger gleiten, so dass größere Abstände zwischen den Personen gebildet werden können. Die Aktivität ist beendet, sobald der Musterknoten von beiden Gruppen an der vorgegebenen Stelle des Seils fertig geknüpft ist. Am Ende befindet sich der Knoten im Seil und trotzdem halten noch immer alle in der Gruppe das Seil in ihren Händen.

Mögliche Knoten

Einfach: Sackstich, Ankerstich, Hausfrauenknoten
Schwerer: Achterknoten, Bulin, Schmetterlingsknoten

Reflexion

Diese Aktion wird bei Ihren Mitarbeiter*innen evtl. Gefühle wie Frust oder Spaß, Erfolgserlebnisse, Hektik oder auch Gelassenheit erzeugt haben. Geben Sie Ihrem Team daher zunächst Gelegenheit, diese Empfindungen in offener Runde zu äußern. Diese könnten Sie bei Bedarf mit der Frage „Was hat euch Spaß gemacht, was hat euch genervt?“ in Gang bringen. In einem zweiten Schritt tauscht sich die Runde darüber aus, was zum Erfolg geführt hat und was eher hinderlich war. Hier werden die Strategien benannt, die sich jede Gruppe überlegt hat, um erfolgreich zu sein. Sofern Sie diese visualisieren wollen, können Sie sie auf Moderationskärtchen schreiben und für alle sichtbar auslegen bzw. aufhängen. In einem dritten Schritt geht es darum, Rollen im Team sichtbar zu machen. Die Mitarbeiter*innen sind eingeladen, sich selbst einzuschätzen und einer Rolle zuzuordnen. Bieten Sie hierfür folgende Rollen zur Auswahl an (nach R. M. Belbin):

  • Erfinder*in
  • Macher*in
  • Umsetzer*in
  • Perfektionist*in
  • Beobachter*in

Schreiben Sie jede Rolle auf ein DIN A3-Blatt und verteilen Sie die fünf Bögen auf freier Fläche großzügig am Boden. Laden Sie Ihre Mitarbeiter* innen ein, sich zu einer der fünf Rollen zu stellen. Damit sollen die Teilnehmer*innen nun sich und ihr Handeln/Verhalten während der Aktion einschätzen. Sobald alle einen Platz eingenommen haben, können Sie zu bedenken geben: „Spürt noch mal in euch hinein, ob das auch die richtige Position für euch ist. Schaut euch um, wer direkt bei euch steht. Möchtet ihr da bleiben oder doch noch mal die Position wechseln?“ Sie können dazu auffordern, dass sich alle Mitarbeiter*innen, die an einem Platz stehen, kurz untereinander austauschen, warum sie diese Rolle gewählt haben. In einem nächsten Schritt eröffnen Sie das Gespräch im Plenum. Befragen Sie das Team nacheinander zu jedem/jeder Mitarbeiter*in, ob er/sie an dieser Position stehen bleiben kann oder die Rolle gegen eine andere tauschen sollte. Abhängig vom Feedback wird die Position geändert oder beibehalten. Betonen Sie unbedingt, dass diese Einschätzung keinerlei Bewertung bedeutet, sondern der Differenzierung von Selbst- und Fremdeinschätzung der eigenen Rolle im Team dient. In einem letzten Schritt, für den alle ihre jeweilige Position verlassen und zu einem anderen Ort wechseln können (z. B. in die Kita), geht es um den Austausch über Rollen im Team und welche Tragweite sie haben. Treten Sie in einen offenen Dialog ein und warten Sie ab, welche Gedanken Ihre Mitarbeiter*innen äußern. Noch einmal: Es geht nicht um Bewertung, Hierarchie, Wünsche, Lösungen oder Ausgrenzung, sondern darum, sichtbar zu machen, dass alle Rollen im Team wichtig sind.

Blick auf die Rollen

Wenn Sie möchten, können Sie im Plenum auch Gründe überlegen, warum jede Rolle ihre Berechtigung hat: Ein*e Perfektionist*in kann mit der Aussage „Ich wage zu bezweifeln, dass das funktioniert. Das müssen wir soundso machen, lass mich mal …“ zum zielführenden Vorankommen beitragen. Ein*e Umsetzer*in ist notwendig, da er/sie verlässlich verwirklicht, was ihm/ihr Macher*in und/oder Erfinder*in vorlegen. Ein*e Beobachter*in hat ein gutes Urteilsvermögen und kann analytisch und skeptisch mögliche Fehler verhindern, durch die das Vorhaben nicht erfolgreich enden würde. Varianten:

1) Sie können Ihr Team fragen, welche weiteren Rollen es sieht. Schreiben Sie diese ebenfalls auf und legen Sie sie auch auf dem Boden aus. Die Mitarbeiter*innen ordnen sich ein zweites Mal zu.

2) Wollen Sie den Wettbewerbsgedanken einfließen lassen, so können Sie einen zweiten Durchgang veranstalten, diesmal mit Zeitmessung: Welches Team hat den Knoten schneller geknüpft?

3) Zwei Durchgänge mit verschiedenen Knoten.

Hinweis

Vielleicht möchten Sie sich generell einmal näher mit dem Thema Teamrollen beschäftigen. Dafür bietet sich das Teamrollen- Modell von R. M. Belbin an. In kindergarten heute Ausgabe 9_2018 finden Sie hierzu einen hilfreichen Beitrag von Lisa Lieb (inkl. Links und Literaturangaben).

Hinweis

Wenn Sie sehen, dass sich die Teammitglieder nicht an die Regeln halten, kommentieren Sie das nicht gleich, sondern greifen es erst in der Reflexion auf und fragen nach, ob es bemerkt und wie empfunden wurde und was es bewirkt hat.

Hinweis

Im Internet finden Sie zahlreiche Seiten, auf denen Sie sich Knoten anschauen und selbst beibringen können. Auch auf Youtube gibt es anschauliche Tutorials dazu.

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