BuchbesprechungWilhelm Schmidt-Biggemann: Gott, versuchsweise. Eine philosophische Theologie

Wer, wie Wilhelm Schmidt-Biggemann, das Leben in seiner ganzen Spannbreite verstehen will, kommt nicht daran vorbei, sich mit der größten geistigen Herausforderung der Menschheitsgeschichte auseinanderzusetzen: dem Monotheismus. „Gott ist ein Kulturphänomen. Aber damit er das sein kann, muss er mehr sein als ein Phänomen. Denn den Ansprüchen, die an ihn gestellt werden“, so der Berliner Philosoph, „wird er nur gerecht, wenn er eben nicht nur ein Kulturphänomen ist, sondern eine kulturgarantierende Realität“.

Nun hat der Autor eine Theo-Logie geschrieben, die das, was im Ausdruck „Logos“ steckt, erzählend entfaltet und damit eine tiefere Möglichkeit humaner Sinnstiftung eröffnet. Dafür wählt er einen provokanten Ausgangspunkt: „Ist der Teufel böse?“ Die Rolle, die der Religionsphilosoph dem „jüngeren Antipoden“ Gottes einräumt, bringt die Ambivalenz des Absoluten treffend zum Ausdruck – und das Zusammenspiel von Hermeneutik und Lebenspraxis schwungvoll in Bewegung. Aber den Diabolos, der stets die Ehre Gottes vergrößert (Hiob-Geschichte), dürfe „man nicht so ernst nehmen, wie man Gott ernst nehmen muss“.

Zu erzählen sei aber gleich darauf vom Dilemma einer die göttlichen Prädikate übersteigernden Theodizee, wie sie Leibniz mit Hilfe von Prämissen der Theologia naturalis (Allmacht, Güte und Allwissenheit) zur metaphysischen Spitzenaussage machte. In deren Destruktion erkennt Schmidt-Biggemann einen Wendepunkt der Geistesgeschichte. Folge: Negation der Existenz Gottes, Nihilismus und Naturalismus. „Dass Gott die vergiftenden Paradoxien der Theodizee ebenso überlebt hat wie die späteren Liquidationsversuche der Naturalisten, ist evident. Aber welch ein Gott zeigt sich nach Theodizee und Naturalismus?“

Auf Grundlage von Rudolf Ottos Phänomenologie zeigt er: Sakramente sind der „paradoxe Versuch, das Unverwaltbare zu institutionalisieren.“ Allerdings verweist das „versuchsweise“ im Titel noch auf einen anderen Text: auf Blaise Pascals Pensées, dem der erzählende Philosoph eine eigene Darstellung gewidmet hat (1999). In dessen Wette geht es bekanntlich darum, angesichts der Einsicht in die Grenzen menschlicher Vernunft festen Stand zu gewinnen – als Fundament von Ethik und Rationalität.

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Wilhelm Schmidt-Biggemann

Gott, versuchsweiseEine philosophische Theologie

Verlag Herder, Freiburg 2018. 304 S. 18 € (D)