PorträtPeter Kohlgraf: Zwischen Klavier und Currywurst

Der zukünftige Bischof von Mainz ist nüchtern und humorvoll. In seinem Amt will er sich viel Normalität bewahren.

Peter Kohlgraf
© privat

Peter Kohlgraf gehört zu den Priestern, deren kirchliche und akademische Karriere gezielt vom damaligen Kölner Kardinal Joachim Meisner gefördert wurde. „Auf meinem Weg als Priester hat mich der Kölner Erzbischof auf verschiedene Stellen gesetzt, der wissenschaftliche Weg gehörte dann dazu“, sagte der zukünftige Bischof bei seiner Vorstellung im Mainzer Dom am 18. April 2017. Das Bemerkenswerte an dieser Generation von Priestern ist, dass kaum jemand von ihnen heute noch die kulturkämpferische Grundhaltung ihres Mentors teilt.

Von Kohlgraf lässt sich mit Gewissheit sagen, dass er diese Haltung nie geteilt hat. Das hat vielleicht auch mit seinem eher nüchternen Charakter zu tun. Nüchtern ist auch seine Frömmigkeit. Alles Schwärmerische, Sentimentale und Exaltierte ist ihm fremd. Hinzu kommt ein trockener Humor. Kohlgraf ist zwar in Köln geboren, aber eigentlich kein typischer Rheinländer. Er spricht keinen Dialekt, ist kein euphorischer Karnevalist und kein leidenschaftlicher Fußballfan. Eher spielt er in seiner Freizeit Klavier. Das heißt aber nicht, dass er abgehoben ist. Er gibt sich nicht aufgesetzt volkstümlich, ist aber durchaus bodenständig und unprätentiös. Kohlgraf mag Currywurst und nutzt gerne öffentliche Verkehrsmittel. Auch in der Liturgie hält er es mit der Nüchternheit. Mit pomp and circumstance kann der Sohn eines Maurers und einer Krankenschwester wenig anfangen. Seine kirchliche Sozialisation fällt in die Siebziger- und Achtzigerjahre. Für diesen Zeitraum weisen die Statistiken eine gewisse Erholung des kirchlichen Lebens auf. So stieg etwa, nach dem rapiden Rückgang in der Nachkonzilszeit, die Zahl der Priesterweihen ab 1977 bis Anfang der Neunzigerjahre wieder an. Es sind diese letzten „starken Jahrgänge“, aus denen heute die neuen kirchlichen Führungskräfte rekrutiert werden.

Seit 2012 ist Kohlgraf im Bistum Mainz zu Hause. Damals wurde er zum Professor an der Mainzer Katholischen Hochschule berufen. Seitdem arbeitete er auch als Pfarrvikar in der Seelsorge in einigen rheinhessischen Weinorten mit. An die große Aufmerksamkeit, die mit seinem neuen Amt einhergeht, wird er sich erst gewöhnen müssen. Kohlgraf wünscht sich so viel Normalität wie möglich und sagt: „Warum soll ich als ernannter Bischof nicht mit dem Bus fahren?“ Gleichzeitig ahnt er, dass es damit schwierig werden könnte. An dem Haus im kleinen Ort Partenheim, wo Kohlgraf lebt, hat ein Nachbar schon scherzhaft ein Schild mit der Aufschrift „Bischofssitz Partenheim“ angebracht. Noch bis August bleibt Kohlgraf hier, bevor er nach Mainz in ein Haus der Diözese zieht, das derzeit noch renoviert wird. Im jetzigen Bischofshaus wird Kohlgrafs Vorgänger Kardinal Karl Lehmann mitsamt seinen 120 000 Büchern wohnen bleiben.

Bevor er Professor wurde, war Kohlgraf an verschiedenen Schulen des Erzbistums Köln Seelsorger und Lehrer. Wer ihn im Religionsunterricht der Oberstufe erleben konnte, kam in den Genuss eines regelrechten theologischen Grundkurses. Zur Lektüre gehörten Rahner, Metz oder von Balthasar, und auch lehramtliche Dokumente wurden im Unterricht diskutiert. Zu zahlreichen Schülern pflegte er auch über die Schulzeit hinaus herzliche Kontakte. In der Zwischenzeit hat Kohlgraf viele ehemalige Schülerinnen und Schüler kirchlich getraut. Persönliche Beziehungen sind ihm wichtig. Dabei ist er immer verbindlich, aber nicht jovial.

Kohlgraf kommt gut mit jungen Menschen zurecht. Vielleicht hilft ihm das dabei, eines der drängendsten Probleme des Bistums anzugehen: Im Mainzer Priesterseminar gibt es nur noch eine Handvoll Seminaristen. Auch hier setzt Kohlgraf auf die persönliche Begegnung: „Die Menschen kommen, wenn sie angesprochen werden. Wir müssen deshalb unsere Leute in den Pfarreien ermutigen, das Thema überhaupt in den Blick zu nehmen. Ich glaube, da passiert nicht genug“, sagt der zukünftige Mainzer Oberhirte.

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