Wie soll sich die Kirche zu den neuen sozialen Medien stellen?Die Agora der Netzwelt

Die Teilnahme an so genannten sozialen Netzwerkdiensten wie „Facebook“ stellt einen tief greifenden Wandel in den Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen dar. Experten sprechen von einem unumkehrbaren Trend zur neumedialen „Totalvernetzung“. Die Kirchen müssen auf diese gewaltige Verschiebung im Kommunikationsverhalten der Menschen aktiv reagieren.

Dass ein durchgreifender Wandel in den Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in der als Informationszeitalter gekennzeichneten Gegenwart nicht ohne Auswirkungen auf Verkündigung und die grundlegenden Handlungsmöglichkeiten der Kirche bleiben kann, ist eine Selbstverständlichkeit. Aber gerade das Selbstverständliche sollte nicht vergessen werden. Wenn auch vielen die kirchliche, der institutionellen Eigengesetzlichkeit geschuldete Reaktionszeit auf gesellschaftliche Wandlungsprozesse in Wahrnehmung, Beurteilung und Beantwortung zu lang erscheint, so kann man doch im Bereich der sozialen Kommunikationsmittel durchaus zu dem Urteil kommen: hier ist die Klage über ein Verkennen der Zeichen der Zeit verfrüht.

Denn wer beispielsweise die Internetadresse „pope2you.net“ aufsucht, trifft dort auf eine unschwer als Web 2.0-Anwendung identifizierbare Seite, die in englischer, italienischer, spanischer, französischer und deutscher Sprache aufrufbar ist. „Pope for You“ ist das vatikanische Zugangsportal zu einer Reihe von so genannten sozialen Netzwerkdiensten (social media services) wie „Youtube“, „Flickr“ und „Facebook“. Die 2009 eingerichtete und mittlerweile schon umgestaltete, die Kultur neuer sozial-medialer Kommunikation entschiedener nutzende römische Internetpräsenz wird vom Päpstlichen Rat für soziale Kommunikationsmittel verantwortet.

Sie ist vorwiegend an Jugendliche und junge Erwachsene adressiert, die auch die größte Gruppe der weltweit bald eine halbe Milliarde Nutzer und Nutzerinnen von „Facebook“ darstellt; allein in Deutschland wurden im April an die acht Millionen gezählt. So verwundert es nicht, dass der „Facebook“-Zugang auf dem Portal auch optisch dominiert.

Eine neue „Agora“?

„Pope for You“ fordert unter anderem dazu auf, nach einem entsprechenden Mausklick auf der Startseite, eine virtuelle Postkarte zu versenden: „Benutze Facebook um die Botschaften des Papstes und seine Digital Images zu senden! Die Anwendung von Pope2you in Facebook, dem weltberühmtesten Social Network, erlaubt Dir, die Botschaften des Papstes BenediktXVI. anlässlich des 44. Welttages der Sozialen Kommunikation mit anderen zu teilen. Auf diese Weise kannst Du dem Papst in Facebook begegnen um seine Worte anzuhören, seine Fotos zu sehen und seine ,virtuellen Glückwunschkarten‘ zugeschickt zu bekommen. Diese Karten und Botschaften kann man an seine ,Freunde‘ von Facebook weiterleiten und sie können dadurch von jedem geteilt werden. Somit können wir ein Netz der Gemeinschaft um unseren Papst knüpfen.“

Da es sich bei der Botschaft zum 44. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel um eine sehr deutliche und nachdrückliche Aufforderung an die Priester zur Nutzung der neuen sozialen Medien handelt, hat man sich dafür entschieden, unter der Schaltfläche „Teile deine Botschaft mit Priestern“ dem Nutzer drei Möglichkeiten einzuräumen: „Dein Pfarrer oder Priester benützen Facebook? Sende ihnen die Karte durch Facebook (...) und lade sie Deinerseits dazu ein, sie zu teilen“; „Dein Pfarrer besitzt eine Email-Adresse? Sende ihm die Karte mit einer Mail (...) und lade ihn dazu ein, sie an seine Freunde weiterzuleiten“; „Dein Pfarrer hat keine Email-Adresse? Drucke Deine Karte als Botschaftskarte, Kalender 2010, als Lesezeichen“.

Die versendbaren oder ausdruckbaren Karten geben die Kernaussagen des Schreibens wieder. So zitiert beispielsweise eine der Karten mit implizitem Bezug auf die Apostelgeschichte (Kapitel 7) die am Ende des Schreibens markant platzierte Aufforderung an die Priester zur aktiven Nutzung des sozialmedialen Netzes: „Der Herr mache Euch zu leidenschaftlichen Verkündern der frohen Botschaft auch auf der neuen ,Agora‘, die von den aktuellen Kommunikationsmitteln geschaffen wird.“

Theologische und anthropologische Begründungsstrategien

Die durch den Web-Auftrag in den Mittelpunkt gerückte Botschaft zum 44. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel steht in deutlicher Übereinstimmung mit einer Traditionslinie, die bei aller Kritik am Fehlgebrauch durch Produzenten und Rezipienten, die jeweils neuen Medien doch letztlich als „Geschenk Gottes“ versteht und sie als gesellschaftlichen, der technischen Fertigkeit des Menschen geschuldeten Fortschritt auffasst.

Diese Linie setzt schon 1957 an mit der Enzyklika von PiusXII. „Miranda Prorsus“, Gegenstand waren „Film, Funk und Fernsehen“. Sie führte weiter über die Erklärung des Zweiten Vatikanums „Inter Mirifica“ (1963) und die Pastoralinstruktion der Päpstlichen Kommission für die Instrumente der Sozialen Kommunikation „Communio et Progressio“ aus dem Jahr 1971 bis hin zur 43. Päpstlichen Botschaft zum Welttag der Kommunikationsmittel (2009): Hier wendet sich der Papst an diejenigen, „die Teil der so genannten digitalen Generation sind“ und unterstellt so die Jugend insgesamt einem neumedialen Hauptmerkmal. Entsprechend artikuliert er sein Anliegen, „Ideen hinsichtlich des außerordentlichen Potenzials aus(zu)tauschen, das den neuen Technologien innewohnt, wenn sie dazu genutzt werden, Verständnis und Solidarität unter den Menschen zu fördern. Diese Technologien sind ein wahres Geschenk für die Menschheit“.

In der theologischen und – von ihr abgeleitet – in der anthropologischen Begründung schließt diese Argumentation an die Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils an. Dort bereits heißt es zwei Sätze nach der berühmten Kennzeichnung der Kirche als „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ und der Angabe des Ziels der Konstitution, den Gläubigen und aller Welt Wesen und Sendung der Kirche zu erklären: „Die gegenwärtigen Zeitverhältnisse geben dieser Aufgabe der Kirche eine besondere Dringlichkeit, dass nämlich alle Menschen, die heute durch vielfältige soziale, technische und kulturelle Bande enger miteinander verbunden sind, auch die volle Einheit in Christus erlangen“ (Lumen Gentium 1).

Entsprechend wird in mutiger Weiterführung in der 44. Botschaft zum Welttag argumentiert: „Obwohl die Geschwindigkeit erstaunt, mit der sich die neuen Technologien hinsichtlich Zuverlässigkeit und Effizienz entwickelt haben, sollte uns ihre Beliebtheit bei den Nutzern nicht überraschen, denn diese Technologien entsprechen dem Grundbedürfnis der Menschen, miteinander in Verbindung zu treten. Dieses Verlangen nach Kommunikation und Freundschaft hat seine Wurzel in unserem menschlichen Wesen und darf nicht nur als Antwort auf technologische Innovationen verstanden werden. Im Licht der biblischen Botschaft muss dieser Wunsch vielmehr als Ausdruck unserer Teilhabe an der Liebe Gottes verstanden werden, die sich mitteilt und zur Einheit führt und aus der ganzen Menschheit eine einzige Familie machen will.“

Ein Trend zur neumedialen Totalvernetzung

Sicher darf man die hier intendierte Familiaritas auf keinen Fall mit den letztlich ökonomisch interessierten Bestrebungen der sozialen Netzwerkbetreiber identifizieren, ihre Nutzer untereinander zu „Freundinnen und Freunden“ zu machen. Wie soll aber das Kommunikationsverhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gedeutet und bewertet werden, die im Durchschnitt mit weit mehr als 100 „Freundinnen und Freunden“ durch die Angebote von „Facebook“, „SchülerVZ“, „StudiVZ“ oder „Wer-kennt-wen“ usw. im sozialmedial geregelten Dauerkontakt stehen? Bei allfälligen Befragungen der Teilnehmer an Lehrveranstaltungen der Theologischen Fakultät der Universität Frankfurt sind mittlerweile nur noch weniger als zwei Prozent nicht zumindest in einer der genannten Netzwerkgemeinschaften. Fast alle tauschen sich regelmäßig, die meisten täglich per „Studi-VZ“ und „Facebook“ aus.

Wer repräsentatives Datenmaterial sucht und es studieren will, findet gründliche und einschlägige Untersuchungen, die im Netz leicht zugänglich und graphisch gut präsentiert sind – so beispielsweise in der ARD-ZDF-Online-Studie oder in der Analyse „Heranwachsen im Netz“ des Hans-Bredow-Instituts (jeweils 2009). Es sind vor allem die Langzeituntersuchungen und die durch repräsentative Befragungen belegten Zuwachsraten, die den Schluss fast unabweisbar auferlegen, dass der Trend zur neumedialen „Totalvernetzung“ unumkehrbar ist.

Die Bezeichnung „Social Media“ hat bereits den noch von Weiterentwicklung aus dem so genannten „Web 1.0“ bestimmten „Web 2.0“-Begriff abgelöst und zeigt an, dass längst nicht nur technikaffine Bevölkerungsgruppen ihre Zeit für neumediale Kommunikations-, Informations- und Freizeitangebote nutzen oder opfern – so mag man je nach affirmativem oder kulturskeptischem Standort urteilen. Der oft beschworene sozial, kulturell oder altersbezogene „Digital divide“, die soziale Spaltung also in Besitzer eines Rechners und Nichtbesitzer, die Kluft zwischen Internetnutzern und -nichtnutzern, zwischen Web-1.0-Affinen und durch neue soziale Medien Vernetzte verschiebt sich permanent und ohne erkennbare Einbrüche in Richtung vermehrter Nutzung angesichts der wachsenden Berufs- und Alltagsrelevanz der digitalen Welt.

Die Studie „Heranwachsen im Netz“, die das Hans-Bredow-Institut in Zusammenarbeit mit der Universität Salzburg durchgeführt hat, spricht von drei großen Aufgaben, die qua Netz durch Jugendliche und junge Erwachsene, zum Teil aber auch sicher schon durch Kinder, in Angriff genommen werden: Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement. Überrascht mag nun mancher Medienskeptiker fragen, welcher relevante Wirklichkeitszugang sich überhaupt und auf welche Weise jenseits der Technik eröffne, wenn denn die drei den Menschen sicher nicht peripher bestimmenden Relationen des Selbst-, Sozial- und Weltverhältnisses neumedial per Management hauptreguliert werden.

Kirchliche Präsenzen und Absenzen im bundesdeutschen Raum

Die katholischen deutschen Bischöfe erscheinen hinsichtlich der Weiterentwicklung ihrer Web-1.0-Angebote zögerlicher als die Evangelische Kirche Deutschlands, die unter „evangelisch.de“ bereits ein eigenes sozialmediales Netzwerk eröffnet hat. Die offizielle katholische Präsenz ist bestimmt durch Web- 1.0-Portale wie „katholisch.de“, „dbk.de“ oder das mit mehr als 11000 registrierten Benutzern zielgruppenspezifisch gestaltete Portal für Religionslehrerinnen und -lehrer: „rpp.katholisch.de“. Daneben verlaufen jedoch auch im katholischen Raum die sozialmedialen Aktivitäten – sogar der Eigenart der sozialen Medien konformer – eher in der Weise des „bottom-up“ als des „top-down“.

Wer beispielsweise schöne und lebendige Einblicke in die Lebens- und Arbeitswelt von Kaplan Tobias Hopmann in „Neusser Süden“ erhalten möchte und mit ihm vielleicht in Kontakt treten möchte, sei auf die Adresse „kaplan-hopmann.blogspot.com“ verwiesen.

Die in Frankfurt an der Johann Wolfgang Goethe-Universität 2009 durchgeführte Studie „Kirchliche Sinnangebote im Web 2.0“ konnte zeigen, dass beinahe die Hälfte der Befragten sich durchaus in ihren Netzwerkgemeinschaften (Facebook, StudiVZ usw.) über religiöse Inhalte und Fragestellungen austauschen. Sie sind auf der Agora der Netzwelt zum Teil durchaus auch als Christen oder Nichtchristen, als Katholiken oder Protestanten, als Nichtglaubende oder religiöse „Patchworker“ identifizierbar und schließen sich hin und wieder zu einer Gruppe unter einem Thema zusammen.

Wer beispielsweise „katholisch“ oder „catholic“ in der Suchmaschine von „Facebook“ eingibt, erhält unmittelbar Hunderte von Treffern: Er trifft auf Pfarrgemeinden, verbandliche oder pfarrliche katholische Jugendgruppen, Diskussionsforen über Missbrauch in der Kirche, Marienverehrung und Zölibat usw. „Fan“ einer oder mehreren dieser Gruppen zu werden, eröffnet wiederum die Möglichkeit, eine potenziell schier unbegrenzte Anzahl von „Freunden“ zu finden, mit denen er übereinstimmt oder nicht, mit denen er diskutieren, polemisieren und schließlich auch in nachhaltigem Austausch bleiben kann, wenn er den virtuellen Gesprächspartner in das eigene Profil als „Freund“ einlädt.

Wer die immense Wirksamkeit dieses „Schneeball“-Effektes versteht, der Personen mit Themen, Fragestellung mit Menschen und Gleichinteressierte miteinander verbindet, wird nicht zweifeln, dass global die Nutzerzahl der sozialen Netzwerke absehbar weltweit über die Milliardenmarke steigen wird.

Welche kirchlichen Kommunikationsstrategien angesichts dieses Szenarios – mag es nun als tremendum oder fascinosum erscheinen – sind fällig? Eine Möglichkeit scheidet jedenfalls aus: dass nämlich die Verantwortungsträger – ob nun weltkirchliche, diözesane, verbandliche oder auch pfarrliche – diese gewaltige Verschiebung im Kommunikationsverhalten der Menschen nicht beachten, nicht darauf reagieren und passiv auf den Wandel des Wandels warten.

Deshalb sind die Bemühungen des Rates für die sozialen Kommunikationsmittel nicht primär mit Kritik zu überziehen. Sicher ist die Bevorzugung von medialen Großunternehmen wie „Facebook“, „YouTube“, „Flickr“ oder „Apple“ hinterfragbar. Auch die geschilderten Kartenaktionen von „Pope for You“ mögen Fragen nach Stil und argumentativer Reichweite aufwerfen. Mit Sicherheit werden sich auch dauerhafte Bindungen an einzelne kommerziell agierende Unternehmen angesichts des kirchlichen Selbstverständnisses und Grundauftrages verbieten. Aber auch gilt: experientia docet.

Völlig unbestritten in der öffentlichen Diskussion, aber wie vieles Unbestrittene nur allzu zögerlich realisiert, ist der medienbezogene Bildungsauftrag, den alle erziehenden und bildenden Institutionen wahrzunehmen haben. Dass die Kirche nicht erst der Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprechend, sondern von allem Anfang an eine – untheologisch formuliert – Kommunikationsagentur mit untrennbar vertikaler und horizontalen Ausrichtungen ist, macht ihre Beanspruchung im Bereich der Kommunikation und einer entsprechenden Bildung und Ausbildung umso unabweisbarer: Niemand, der Bildungsverantwortung trägt, darf Kinder und Jugendliche, die in der Intimität ihrer Kinder- und Arbeitszimmer mit der neuen medialen Macht fast unmerklich und deshalb verführungsgefährdet konfrontiert sind, unbegleitet lassen.

Personales Angebot

Vielleicht sind die deutschen Bischöfe, auch nachweislich ihrer entsprechenden Veröffentlichungen, kulturkritischer und sensibler für die Gefahren des anhebenden und nachhaltigen sozialen Wandels und auch deutlich weniger als Rom auf die Verkündigungsmöglichkeiten ausgerichtet, die sich mit den digitalen Medien verbinden. Umso mehr wird es den Bischöfen angelegen sein müssen, auch in Zeiten knapper werdender personeller und finanzieller Ressourcen, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schulen und ausbilden zu lassen, damit diese in ihren pastoralen wie bildungsbezogenen Aufgaben als „digital immigrants“ die „digital natives“ lern- und hilfsbereit begleiten können. Eine solches, wie es die Synode der Bistümer Deutschlands einst für den Bereich der Jugendarbeit formulierte, „personales Angebot“ wird sich sicher nicht ohne eine mutigere und entschiedenere Freistellungspraxis als bisher üblich realisieren lassen.

Auch im Blick auf die institutionellen Erfordernisse gibt es zu den aufgezeigten ersten Schritten auf dem kirchlichen Weg in der Informations- und Kommunikationsgesellschaft kaum Alternativen: Wie können tendenziell in ihrer Personenzahl wachsende Pfarreien und Pfarrverbände ein mit ihrer Größe immer wichtiger werdendes „Kommunikationsmanagement“ erfolgreich und fruchtbar bewältigen? Der Informationsschaukasten vor der Kirche, das Publicandum im Sonntagsgottesdienst, der gedruckte und mit viel Engagement von Ehrenamtlichen verteilte Gemeindebrief werden in Zukunft eher Supplement als Substitut sozialer Medien sein.

Offen bleibt die Frage, ob es ein eigenes bundesdeutsches katholisches Angebot angesichts der erfolgreichen bisher schon existierenden sozialen Mediendienste geben sollte. Vordringlich erscheint diese Entscheidung angesichts der Dringlichkeit der bereits aufgezeigten ersten Schritte nicht. Die Erfahrungen und Untersuchungen an der Universität Frankfurt haben gezeigt, dass die jungen Erwachsenen sich ihre Netzgemeinschaften selber suchen und neuen institutionellen Angeboten eher abwartend gegenüberstehen.

Der Wechsel von der in ihrer Einkanaligkeit eher noch „gutenberg-galaktisch“ geprägten Web-1.0-Kommunikationskultur zu den neuen sozialen Medien ist zugleich ein Umstieg in eine konsequentere „bottom-up“-Struktur: Inhalte und Beiträge werden nicht nur entgegengenommen, sondern von den Nutzern selbst produziert sowie an verschiedenen Netzorten frei zur Verfügung gestellt. Wer sich auf „evangelisch.de“ anmelden will, kann dies unkompliziert mittels seines „Facebook“-Accounts bewerkstelligen; sie oder er verlässt die angestammte „digitale Beheimatung“ nicht beziehungsweise wird – was vielleicht noch treffender ist – als eine Person angesprochen, die eine derartige Beheimatung erst gar nicht sucht. Angesichts der Mobilitätsmöglichkeiten der sozialen Netzwerke scheinen institutionelle Präsenzen per Webauftritt nicht mehr alternativlos.

Unstreitig sollte jedoch die Tatsache sein, dass die lebendige Person nicht substituiert werden kann. Ihr immer wieder im wirklichen Leben von Angesicht zu Angesicht („f2f“) zu begegnen, wird nie überflüssig. Supplementär kann sie neuerdings neumedial gestützt über Entfernungen hinweg kommunizieren. Aber sie bleibt für ihr Tun und Lassen verantwortlich und ist nur so von der Kirche adressierbar

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