„Weniger“-Konferenz im Gebetshaus AugsburgGlauben auf allen Kanälen

Die Kirchen hatten zwei Jahre lang Zeit, Online-Alternativen zum klassischen Gottesdienst zu entwickeln. Die „Weniger“-Konferenz im Gebetshaus Augsburg zeigt an einem Wochenende, was möglich ist.

Bis zuletzt war nicht sicher, ob die Konferenz als Präsenzveranstaltung stattfinden könnte oder nicht. Als klar war, dass die Infektionszahlen doch zu hoch sind, musste alles, was bisher als klassischer Vortrag vor Publikum geplant war, in die digitale Welt gebracht werden. Doch wer sich übers Wochenende in den Live-Stream einschaltete, wäre nie auf die Idee gekommen, es hier mit einer in letzter Sekunde zusammengebauten „Notlösung“ zu tun zu haben. Der Gründer des Gebetshauses Augsburg, Johannes Hartl, sagte zu Beginn seiner „Weniger“-Konferenz, der Weg zur Spiritualität im 21. Jahrhundert sei es, „aus den alten Quellen zu schöpfen und diese in eine digitale Zeit zu übersetzen“. Und das gelang an diesem Wochenende.

Function follows form?

Direkt zu Beginn der Konferenz konnten sich die Teilnehmer über einen QR-Code oder die angegebene Internetseite an kleinen Umfragen beteiligen. „Von wo schaust du zu?“, wurde da etwa gefragt. Oder: „Wie fühlst du dich gerade?“ Und was womöglich als nette, aber unnötige technische Spielerei verpufft wäre, entwickelte an diesem Samstagmorgen eine tiefere Wirkung. Sobald man seine Heimatstadt eingetragen hatte, flackerten mehr und mehr Orte auf, verschoben sich, ordneten sich immer neu und machten klar: In all diesen Städten sitzen Menschen, die sich in diesem Moment angemeldet haben, um ein Wochenende lang über ihre Beziehung zu Gott nachzudenken.

Aber – auch das ist den Verantwortlichen hoch anzurechnen – wo es kein technisches Update brauchte, wurde darauf verzichtet. Die Redner standen mit Filzstiften vor einer Flipchart, auf der sie ihre wichtigsten Punkte festhalten konnten, und die Zuhörer hatten ein 50-seitiges Begleitheft zugeschickt bekommen. Hier fanden sie nicht nur weitere Anregungen, sondern auch einen Wochenplan, um die Erkenntnisse der zwei Tage in den Alltagsrhythmus zu übertragen.

„Weniger“ ist mehr

Es gibt wohl nicht wenige Pfarrer, die Skrupel hätten, im Gottesdienst solche „Hausaufgaben“ zu verteilen. Die „Weniger“-Konferenz zeigte aber, wie groß die Sehnsucht nach einem Hauch Spiritualität im Alltag ist. Rund 10000 Teilnehmer aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz waren dabei. 10000 Menschen wohlgemerkt, die bereit waren, ein ganzes Wochenende und eine Teilnahmegebür zu investieren, um sich Gott näher zu fühlen, neue Impulse für ihren Glauben zu bekommen. Hier liegt ein Potential für die Kirche, das viel zu oft ungenutzt bleibt. Mottowort der Konferenz war „The Holy Presence“ (Die Heilige Gegenwart), was wohl nicht zufällig an den Heiligen Geist und das Pfingstwunder denken lässt. Und daran, wie wichtig es ist, jeden auf die Art anzusprechen, die ihn wirklich berührt.

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