Leserbriefe

Krise der Glaubwürdigkeit

Zur Frage „Wann Kirchenaustritt beginnt“ (CIG Nr. 19, S. 8) gibt es eines zu sagen: Die Hauptursache für die gegenwärtige „Gotteskrise“ ist letztlich die (zu) große Differenz zwischen Lehre und Praxis. Wenn der Eindruck entsteht, einige Amtsträger – darunter selbst Bischöfe! – glaubten selbst nicht an das, was sie uns predigen, brauchen wir uns über die zahllosen Austritte in der Tat nicht zu wundern. So etwas wie die Missbrauchsfälle samt deren Vertuschungsversuche sind für die Glaubwürdigkeit der Kirche absolut tödlich. Sie hätten nie passieren dürfen.

Gunther Britz, Saarwellingen

Der Mensch Maria

Mit Freude las ich die Gedanken zur „Befreienden Maria“ (CIG Nr. 19, S. 2). In der katholischen Tradition wird Maria, die Gottesmutter, ja sehr vielfältig verehrt. Ob es der Rosenkranz ist oder in Litaneien, wo sie mit sehr verherrlichenden Adjektiven als Königin gepriesen wird. Mir ist der Zugang zur Marienverehrung in der katholischen Kirche als Konvertitin nicht so recht gelungen. Mir fehlt in diesen vielen Gebeten oft der Mensch Maria, die Frau Maria.

Ich kann schwer etwas anfangen mit den Begriffen wie „reine Magd“ oder „Himmelskönigin“. Auch Maria würde diese Verehrung heute wohl kaum verstehen, weil sie selbst, mit beiden Füßen auf der Erde stehend und fest im Glauben verankert, an der Seite ihres Sohnes blieb. Dadurch ist sie für mich ein Vorbild.

Roswitha Klatte, Radebeul

Licht ins Dunkel

Wie gewiss viele freue ich mich, wenn die neueste Ausgabe des CIG vor mir liegt. Es werden so viele kluge und lichtvolle Gedanken aus Theologie und Gegenwart ausgebreitet, dass sich der verdunkelte Kirchenraum beim Lesen aufhellt. Da wird ein unseliges, ambivalentes Gottesbild dechiffriert und eine verdrängte, frauenbezogene Seite der Auferstehungsgeschichte aufgearbeitet (vgl. „Auf starken Schultern“ in CIG Nr. 19, S. 5). Wer wie ich in der bleiernen Zeit der Fünfziger aufgewachsen ist, kann über diese Wende eigentlich nur staunen.

Dr. Wolfgang Tinnefeldt, Mainz

Macht der Bilder

Bilder können viel bewirken, Farben haben ihre eigene Kraft. Bilder können erfreuen, zu Meditation und Gebet anregen, Trost spenden, Angst bewirken, ja erschrecken. Das Bild von Patriarch Kyrill („Friedens-Bewegungen“ in CIG Nr. 18, S. 3) hat mich wahrhaftig erschreckt. Kyrill, der Putin-Freund, welcher einen „metaphysischen Kampf“ des Guten gegen das Böse im Westen führt, kann kein christliches Vorbild sein. Er wird viele Menschen in ihrem Suchen nach Gott und Spiritualität verunsichern, die christliche Religion verunglimpfen. Ein solches Bild, auch noch in leuchtenden Farben, gehört nicht in Ihre Zeitung.

Maria Lauper, Bern

Spezialoperation Ukraine?

In Anlehnung an den Kommentar „Franziskus und Kyrill“ (CIG Nr. 17, S. 2), der auf die „schlimmste Häresie“ eines Kirchenfürsten hinweist, bedaure ich die ungenutzte Gelegenheit unseres Papstes, vor der Weltöffentlichkeit mit klaren Worten die Beendigung des Krieges zu fordern und den Aggressor klar zu benennen. Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass der Gottesglaube der Ruhigstellung und Verdummung „helfend“ zur Seite gestellt wird!

Als Chirurg verwahre ich mich außerdem gegen die Bezeichnung „Spezialoperation“ für einen Angriffskrieg, der ein Volk auslöschen soll und in dem Kinder abgeschlachtet werden! Chirurgen müssen immer wieder „Spezialoperationen“ zur Lebenserhaltung vornehmen – Krieg erfüllt niemals Nutzbringendes, er zielt immer auf Vernichtung.

Ich wünsche mir, dass alle Chirurgischen Gesellschaften auf der Welt diesen Missbrauch eines Begriffs vernehmbar anprangern.

Dr. Arndt Jehmlich, Wangen im Allgäu

Mit und in Jesus lebendig

Danke, Felix Evers, für den Beitrag über die Osterzeit („Ein immerwährendes Heute“ in CIG Nr. 18, S. 17). Die Anregung, in Osterlieder auch die Namen von Verstorbenen aufzunehmen, kann ich durch eine Erfahrung ergänzen.

Vor einem Requiem stellte sich einmal eine Frau vor die Gemeinde und sagte: „Wir singen nachher das Lied ‚Preis dem Todesüberwinder‘, in dem oft wiederholt wird, dass Jesus lebt. Das wissen wir. Wir wollen aber auch unseren Glauben ausdrücken, dass Helmut bei und mit ihm lebt. Deshalb singen wir nachher im Wechsel: ‚Jesus lebt, Helmut lebt...‘“

Nach dieser Ansage der hoffenden Frau war die Atmosphäre im Requiem ganz besonders dicht.

Michael Poschlod, Lutherstadt-Wittenberg


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