Die ZukunftMit Tragödien und Wundern

Geschichte bleibt unberechenbar.

Die politischen Analysierer versuchen momentan intensiv zu erkunden, warum Putin über Jahrzehnte hinweg derart falsch eingeschätzt wurde. Manche Journalisten gehen sogar mit der lange hoch beliebten Angela Merkel ins Gericht. Sie habe den ehemaligen Geheimdienstmann und lügenreichen Präsidenten doch als Schurken durchschaut. Warum zog sie nicht die Konsequenzen? Nur weil sie dem Volk ungemütliche Wahrheiten – etwa bei der Energiesicherheit – nicht zumuten wollte? Oder weil sie dem ideologisch vom Wandel durch Handel überzeugten sozialdemokratischen Koalitionspartner Tribut zollen musste? Mit Pragmatismus und Geld wurden Krisen wegmoderiert. Oder war der Mainstream-Journalismus blind, der dem smarten, weltläufigen, diversitätsgewandten Obama huldigte, sich hingegen auf den angeblich gemeingefährlichen, sprunghaften Trump einschoss, während Putin, der Oppositionelle wegsperren oder ermorden ließ, eher ungeschoren blieb? Mit der Tragödie melden sich stets die Schlauen, die behaupten, alles vorher gewusst zu haben. Allein schon wegen der Wahrscheinlichkeit wird später freilich immer irgendwer Recht haben. „Man darf die gegenwärtige Vergangenheit nicht mit der vergangenen Gegenwart verwechseln“, so der Soziologe Armin Nassehi.

Ein religiöser Blick zurück

Das betrifft ebenso das religiöse, kirchliche Leben, etwa die Tragödie des sexuellen Missbrauchs. Man möchte auch da mal gern rückgewendet fragen, warum die Eltern der Opfer seinerzeit das Verbrechen bei der Staatsanwaltschaft nicht anzeigten, so dass die Priester-Kinderschänder davonkamen. Wusste man wirklich nichts? Recht war schon damals Recht und Strafrecht Strafrecht. Oder wollten auch die Erzieher „bloß kein Aufsehen erregen“, wie die kirchlichen Vertuscher? Religiöse Reformen wurden gescheut, obwohl weise Theologen die Problemzonen klar benannten. Aus falschem Verständnis von Tradition hatte man sich im Traditionalismus eingerichtet, statt zu erkennen, dass wahre Tradition nicht Verharren bedeutet, sondern – wörtlich – Tradieren, Weitergeben, Übertragen ins Neue. Heute sind wir entsetzt über den Abbruch des Christlichen. Das war kein Naturgesetz.

Das Wunder Reformen

Das Kernproblem bleibt: Zukunft ist nie vorherzusagen. Selbst die besten Forscher und Strategen irren sich hinsichtlich des Schrecklichen wie des Schönen, Wahren und Guten. Überraschend brach der Kommunismus zusammen, fand sich Deutschland im Wunder Wiedervereinigung. Nach der barbarischen Nazi-Diktatur beglückten uns Freiheit, Demokratie und Wohlstand. Oder religiös: Im JHWH-Glauben kam es zum Paradigmenwechsel mit der Reformbotschaft des Gottes- und Menschensohnes Jesus und der froh machenden Auferweckung des Messias-Christus, dem sich die Reformbewegung jener anschloss, die sich auf den – neuen – Weg begaben. Die Zukunft hält wider alle Einschätzungen und Fehleinschätzungen Tragisches und Wunderbares bereit. Die Hoffnung stirbt nicht, auch jetzt nicht.

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