EditorialGottes Zusage

„Nichts ist gut in Afghanistan.“ Diese Worte von Margot Käßmann kommen mir in den Sinn, als ich erschrocken und bedrückt auf die verstörenden Bilder der sich stündlich zuspitzenden Lage in Kabul schaue. Was wurde die damalige Ratsvorsitzende der EKD gescholten und geschmäht, als sie diesen Satz in ihrer Neujahrspredigt vor elf Jahren sagte. Wie naiv sie doch sei!

Ob Margot Käßmann wohl meine, die Taliban könne man allein mit Charme – Cem Özdemir sprach später von „der Yogamatte unterm Arm“ – zum Frieden bringen?

Ich habe Käßmanns Predigt von damals noch einmal nachgelesen (sie steht immer noch im Internet). Und nach wie vor ist jedes Wort davon gültig und wahr. Unter anderem sagt sie darin: „Wir brauchen Menschen, die nicht erschrecken vor der Logik des Krieges, sondern ein klares Friedenszeugnis in der Welt abgeben, gegen Gewalt und Krieg aufbegehren und sagen: Die Hoffnung auf Gottes Zukunft gibt mir schon hier und jetzt den Mut, von Alternativen zu reden und mich dafür einzusetzen… Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan. Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen. Das kann manchmal mehr bewirken als alles abgeklärte Einstimmen in den vermeintlich so pragmatischen Ruf zu den Waffen.“

Es geht jetzt nicht um irgendeine Form von Rechthaberei oder Schuldzuweisung. Dies ist die Stunde des bedingungslosen Einsatzes für die bedrohten, verzweifelten Menschen in Afghanistan, die vor den Islamisten flüchten. Aber wenn es um die Analyse des westlichen Scheiterns geht, ist es vielleicht doch angesagt, sich vordergründigen, schnellen Schlüssen zu versagen.

Noch ein Weiteres will ich aus jener Predigt zitieren, gerade auch mit Blick auf Afghanistan und die gefühlt so vielen lieben Menschen, die in diesem Jahr von uns gegangen sind (vgl. die Nachrufe auf Kurt Biedenkopf und Arnold Angenendt). „Wir glauben an den auferstandenen Christus und nicht an einen Toten. Wir haben Hoffnung für diese Welt und über diese Welt hinaus … Gott ist kein einsamer Himmelsherrscher, sondern mitten unter uns wie ein Freund oder eine Schwester, wie ein Mensch, der etwas weiß von den Höhen und Tiefen des Lebens, von Liebe und Glück, aber auch von Ängsten und Sorgen. Dieser Glaube führt gewiss nicht dazu, dass alle Mühen und Ängste, aller Schrecken und alle Fragen unserer Welt aufgehoben sind. Als Christen sind wir eben gerade nicht weltfremd oder weltentrückt! Aber wir glauben, dass die Lebenszusage Gottes diese Welt mit ihren vielen Sorgen verwandeln kann.“

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