WahlkampfGeduld, Geduld

Viele werden langsam unruhig: Der Wahlkampf dümpelt vor sich hin. Dabei war das im Sommer vor einer Bundestagswahl schon immer so.

Es sind noch fünf Wochen bis zur Bundestagswahl, und so langsam fragt man sich als interessierter Beobachter, ob nochmal richtig über verschiedene inhaltliche Angebote der Parteien gestritten wird. Wann beginnt der Wahlkampf? Dieses Streiten, dieser Kampf wäre ja vor allem deshalb wichtig, weil es zu den wenigen Sicherheiten dieser kommenden Wahl gehört, dass Deutschland nach dem 26. September von einem neuen Bundeskanzler oder einer neuen Bundeskanzlerin regiert werden wird. Es gibt keinen Amtsbonus, der einen Regierungschef sanft in die nächste Legislaturperiode führen würde. Und: Deutschland wird eine neue Regierungskoalition bekommen. Nicht, dass unser Land sie sich nochmal wünschen würde – es wird aber auch rechnerisch nicht mehr für Schwarz-Rot reichen. Vermutlich müssen wir uns eher mit einem politischen Novum in Deutschland beschäftigen, dass nämlich erstmals drei Parteien regieren werden. FDP-Chef Christian Lindner wird diesmal nicht weglaufen, sollte es auf ihn ankommen.

Wird der Wahlkampf verschlafen?

Das ist die Ausgangsposition. Zu ihr kommen die immensen Herausforderungen, vor denen unser Land steht: der Klimawandel, die Flüchtlingsfrage nach dem Afghanistan-Desaster, der Neustart nach der Corona-Pandemie, immer wieder die Digitalisierung. Da sollte man eigentlich meinen, dass die Kandidatin und die Kandidaten etwas engagierter und profilierter zur Sache gehen würden. Es wird unruhig im Land, und das liegt daran, dass man bei Armin Laschet zuerst an seinen unpassenden Lacher im Hintergrund des Bundespräsidenten-Statements bei der Flut in NRW denkt, bei Annalena Baerbock an einen aufgemotzten Lebenslauf, bei beiden an Plagiate und bei Olaf Scholz an – nichts. Was heißt das aber alles für die große Politik der nächsten vier Jahre? Verschlafen die Parteien die politische Auseinandersetzung, den Wahlkampf?

Werben um Unentschlossene

Geduld, Geduld! Das ist ja alles nichts Neues. Deutschland wählt bevorzugt im September. Seit 1998, also bei den letzten sechs bundesweiten Urnengängen, war das so. Das bedeutet, dass vor der heißen Phase des Wahlkampfs die Urlaubszeit liegt und keine der Parteien ihr Pulver zu früh verschießen möchte. Schon immer machte man sich im August Sorgen, dass man im September nicht wissen würde, wen man warum wählen solle. Wahlkampf macht man ja vor allem für die noch unentschlossenen Wähler, und die entscheiden sich immer später. Deshalb greifen auch die Spitzenkandidaten traditionell erst spät an, deshalb gibt es die „heiße Phase“ des Wahlkampfs, die letzten vier Wochen vor der Wahl. Wahrscheinlich erfahren wir also noch, wofür Laschet-Baerbock-Scholz wirklich stehen. Wenn nicht noch ein Plagiat dazwischen kommt.

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