BuchstabiertabelleN wie Nathan – nicht wie Nordpol

Baden-württembergischer Antisemitismusbeauftragter Michael Blume: „Lassen wir bitte bis dahin nicht zu, dass die Nazis das letzte Wort haben.“

Weil die Nationalsozialisten fünf jüdische Namen aus der sogenannten Buchstabiertabelle entfernt haben, soll diese jetzt überarbeitet werden. Angestoßen hat dies der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume. Ihm war bei Recherchen aufgefallen, dass die Änderungen von 1933 nie rückgängig gemacht wurden und bis heute gelten. Immer noch buchstabieren wir offiziell „N wie Nordpol“ – statt „N wie Nathan“, wie es ursprünglich hieß. Auch David, Jakob, Samuel und Zacharias standen einst auf der Liste, die man in der Weimarer Zeit aufgestellt hatte. Sie wurden von den Nazis ersetzt.

Die Entdeckung sei für ihn ein „heilsamer Schock“ gewesen, erklärte Blume im Interview mit dem „Bayerischen Rundfunk“. Auch er habe immer die gültige Tabelle verwendet, ohne zu wissen, „dass dahinter die Nazi-Mythologie steht, dass die Arier angeblich vom Nordpol gekommen sind. Nordpol ist nicht einmal ein Name, aber sie haben Nathan dafür rausgeschmissen.“

Dies zu ändern sei keine Nebensächlichkeit. „Wir gliedern unsere ganze Realität durch Sprache“, man solle ihr Wertschätzung entgegenbringen. Künftig soll die Buchstabiertabelle nur noch Städtenamen haben, etwa „M wie München“. Solange diese Fassung noch nicht vorliegt, empfiehlt Blume, die frühere Version mit den jüdischen Namen zu verwenden. „Lassen wir bitte bis dahin nicht zu, dass die Nazis das letzte Wort haben.“

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