Liturgie„Wir“ statt „Ich“ = ungültig?

In der Debatte über die Wirksamkeit von Sakramenten, die mit Formeln gespendet werden, die vom lehramtlich vorgeschriebenen Wortlaut abweichen, mahnt der Münsteraner Liturgiewissenschaftler Clemens Leonhard zu mehr Gelassenheit. Die Vorstellung, dass „Gott nicht an die Sakramente gebunden sei, sondern auch ohne menschliche Rituale gnadenhaft handeln kann“, hätte lange kirchliche Tradition, schreibt er in der Wochenzeitung „Die Furche“. Damit hängt die Wirksamkeit von religiösen Handlungen nicht vom Text ab.

Vor kurzem hatte die vatikanische Glaubenskongregation mitgeteilt, dass die Taufformel nicht verändert werden dürfe. Es ging um Priester, die statt des vorgeschriebenen „Ich taufe…“ die Gemeinde mit einbezogen hatten: „Wir taufen…“. Das sei ungültig, entschied der Vatikan – solche Taufen müssten wiederholt werden. Das betraf auch einen amerikanischen Priester, der als Kind mit „falscher“ Formel getauft worden war. War er also auch nicht gültig zum Priester geweiht? Und was ist mit den Vielen, denen er die Sakramente spendete? Leonhard erinnert daran, dass die Vorläufer der heutigen Taufformel erst im Mittelalter entstanden sind. Setzt man die Entscheidung der Glaubenskongregation absolut, wären alle Taufen in der Antike damit „nur ungültige Taufversuche“ gewesen. Irgendwann werden die römischen Interventionen absurd.

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