CoronaKein privates Haus-Abendmahl – oder doch?

Sollte in Zeiten ohne öffentlichen Gottesdienst das Abendmahl daheim in den Familien, zudem ohne ordinierten Geistlichen, gefeiert werden – also quasi privat? Entsprechende Vorschläge lehnt der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, ab. Das Abendmahl nach der Ordnung des Evangeliums und der Kirche sehe einen dafür ausgebildeten Geistlichen vor. „Wenn zuhause Abendmahl gefeiert wird, spielt die Gemeinde plötzlich keine Rolle mehr. Das finde ich schwierig.“

Kramer empfiehlt stattdessen ein Agapemahl. „Das sind vollwertige Mahlfeiern in Häusern, wo man an Christus denkt, Brot bricht und auch Wein trinkt, aber nicht … mit dem Sprechen der Einsetzungsworte.“ Das Abendmahl sollte als etwas Einzigartiges in der evangelischen Christenheit wiederentdeckt werden und stärker ins Bewusstsein der Gläubigen rücken.

Im Gegensatz zum Landesbischof befürwortet der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Halle, Hans-Jürgen Kant, ein liturgisches Haus-Abendmahl auch ohne ordinierten Geistlichen. „Es hätte meiner Landeskirche, die so viel von Erprobungsräumen und von der Bedeutung der Ehrenamtlichen spricht, gut zu Gesicht gestanden, an der Seite der Angefochtenen zu sein und ein Haus-Abendmahl all denen zu ermöglichen, die die heilende und tätige Nähe Gottes in dieser Krisenzeit sinnlich nahe spüren wollten.“ Am meisten habe ihn geärgert, dass zu einem bewussten Abendmahlsfasten aufgerufen wurde, weil man im Angesicht des tödlichen Virus darauf verzichten könne. Andere Landeskirchen hätten eine Anleitung für ein Haus-Abendmahl zur Verfügung gestellt. So sieht der Theologe Michael Domsgen von der Universität Halle-Wittenberg die „Stunde des allgemeinen Priestertums“ gekommen.

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