Simone WeilUnser Sterben

Der Glaube an die Unsterblichkeit ist deshalb schädlich, weil es nicht in unserer Macht steht, uns die Seele wahrhaft entkörpert vorzustellen. So ist dieser Glaube tatsächlich Glaube an eine Verlängerung des Lebens und verhindert den rechten Gebrauch des Todes. Tod: augenblicklicher Zustand ohne Vergangenheit noch Zukunft. Unerlässlich, um zu der Ewigkeit Zutritt zu finden.

Wenn das Korn nicht stirbt – es muss sterben, um die Kraft zu befreien, die es in sich trägt, damit andere Verbindungen daraus entstehen. Ebenso müssen wir sterben, um die verhaftete Energie freizusetzen, um eine freie Kraft zu besitzen, die fähig ist, dem wahren Verhältnis der Dinge entsprechend zu handeln.

Simone Weil (1909–1943) aus: „Das Menschenhaus“, hgg. von Hubertus Halbfas (Patmos, Ostfildern 2016)

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