Zum Tod von Lothar ZenettiDas Wort, das Lied wird

Rund 150 seiner Texte wurden vertont. Sie finden sich in katholischen wie evangelischen Gesangbüchern, darunter „Das Weizenkorn muss sterben, sonst bleibt es ja allein“ oder „Wir sind mitten im Leben zum Sterben bestimmt.“ Sehr berührend ist auch Lothar Zenettis einfühlsame Übersetzung eines Lieds von Huub Oosterhuis, „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“, das den modernen Menschen als Suchenden, Zweifelnden, nach Glauben Tastenden beschreibt.

Er habe ein heiteres, weltoffenes Priesterleben gehabt. Das schrieb die „Frankfurter Rundschau“, als sie Lothar Zenetti anlässlich seines diamantenen Priesterjubiläums vor einigen Jahren würdigte. Es war aber auch ein tiefernstes Leben. Nach der Schulzeit in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main kam Zenetti in den Krieg. Mit neunzehn Jahren, als Gefangener im sogenannten Stacheldrahtseminar bei Chartres, entschloss er sich, Priester zu werden. 1952 wurde er in Limburg geweiht. Nach Stationen als Kaplan im Westerwald, im Taunus und in Wiesbaden kehrte Zenetti 1962 nach Frankfurt zurück, wo er mehrere Jahrzehnte als Pfarrer wirkte. Die Gemeindearbeit sei „immer das Schönste“ gewesen, erinnerte er sich einmal. Als Stadtjugendpfarrer war Zenetti bewegt von der Aufbruchstimmung der 68er und der innerkirchlichen Euphorie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.

Der Seelsorger war später auch als Rundfunkpfarrer tätig. Doch er liebte vor allem das Schreiben, das geschriebene Wort. Lothar Zenetti veröffentlichte mehr als zwanzig Bücher, neben Lyrik und Erzählungen Werke über Kunst, Musik und Religionspädagogik sowie Texte für den Hörfunk und Mundart-Beiträge. „Mit seinem genauen Sprachgefühl fand er Worte, die Zuhörern und Lesern bis heute weiterhelfen“, würdigte ihn sein Heimatbistum Limburg. „Zenettis Lieder, seine Texte zur Meditation, zum Bibelverständnis und zum politisch-sozialen Auftrag der Christen haben Generationen von Katholiken geprägt.“

Zenettis wohl berühmtesten Text singt der Liedermacher Konstantin Wecker in nahezu jedem seiner Konzerte: „Was keiner wagt, das sollt ihr wagen. Was keiner sagt, das sagt heraus. Was keiner denkt, das wagt zu denken. Was keiner anfängt, das führt aus. // Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen, wenn keiner nein sagt, sagt doch nein. Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben. Wenn alle mittun, steht allein. // Wo alle loben, habt Bedenken. Wo alle spotten, spottet nicht. Wo alle geizen, wagt zu schenken. Wo alles dunkel ist, macht Licht.“

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