Abgeben und lassen

Im Lukasevangelium heißt es: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde“ (12,32). Dieses Wort ist an Menschen gerichtet, die als bedrohte Minderheit leben. Die Verwandlung von Angst, sich auf die Tiefe der Ängste einzulassen und sie nicht zu verdrängen, sie nicht in Wellness zu überspielen, das ist wahre Religiosität.

Ein weiterer Gesichtspunkt folgt: „Verkauft alles, was ihr habt!“ Das ist sicher nicht nur materiell gemeint. Es steht auch nicht da „Gebt den Erlös den Armen“, sondern gebt Almosen, gebt etwas ab. Versucht einmal, alles, woran ihr euch gewöhnlich klammert, zu lassen. Um alles zu gewinnen, darfst du nichts in den Händen haben.

Diese Dialektik von todo (alles) und nada (nichts) bestimmt das Denken des spanischen Mystikers Johannes vom Kreuz. Bei Meister Eckhart heißt die Grunddynamik des mystischen Prozesses „Gelassenheit“. Sogar das Wissen, die Vorstellungen von Gott sind zu lassen. Um diese äußerste Armut geht es, und so etwas ist nur in einem tiefen Ernst möglich.

Karl Kern in: „Jesus zuhören“ (Verlag Attenkofer, Straubing 2018)

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