InterviewPositive Stimmung im Team

Der Fachkräftemangel trifft einige Regionen besonders hart. Wie gehen Kitas mit Engpässen um und wie kommen sie an qualifiziertes Personal?

Vom Betriebswirt zum Erzieher
© Florian Nütten

Frau Miller, Rheinfelden liegt in einem klassischen Zuzugsgebiet. Was bedeutet das für die Kitas? 

Der Bedarf an Personal steigt so schnell, dass man gar nicht hinterherkommt. Die Stadt ist überfordert und kann längst nicht jeder Familie einen Kita-Platz anbieten. Besonders prekär ist die Situation in Ganztageseinrichtungen. In unserer Kita kommen wir personell gerade so hin. Krankheits- und urlaubsbedingt entstehen aber auch bei uns immer wieder Engpässe.

Wie reagieren Sie darauf? 

Wir informieren die Eltern per App und fragen sie, wann genau sie ihr Kind abholen. Das hilft bei der Planung. Wenn ausreichend Kinder abgeholt wurden, legen wir die Gruppen zusammen. Außerdem haben wir pensionierte Kolleginnen als Springer. Als letztes Mittel bieten wir Notbetreuung an. 

Steht Ihr Team oft unter Stress?

Manchmal schon. Ist jemand krank, sind Doppelschichten die Folge. Vor allem der Herbst ist schwierig, da gibt es Elternabende und viele Elterngespräche. Wenn Krankheiten dazukommen, wird es eng. Aber unsere Kita steht im Vergleich gut da. Von anderen Leitungskräften weiß ich, dass die Qualität der Arbeit leidet, wenn Fachkräfte ständig Doppelschichten fahren. Außerdem können sie irgendwann auch nicht mehr und fallen dann selbst aus.

Daher hat die Stadt reagiert …

Ja, die Kita-Öffnungszeiten wurden vor einem Jahr um eine Stunde täglich verkürzt. Das führte anfangs zu einem Aufschrei bei vielen Eltern, war aber aus meiner Sicht der richtige Schritt. Um 7 Uhr zu öffnen war ohnehin frustrierend, da vor 7.30 Uhr kaum ein Kind kam.

Wie fördern Sie den Teamgeist? 

Ich führe viele Mitarbeitergespräche. Habe ich das Gefühl, jemandem geht es nicht gut, jemand hat etwas auf dem Herzen oder wenn es mal Konflikte gibt, dann reden wir gleich darüber. Ich habe sehr gute, engagierte Leute. Wir gehen auch ab und an zusammen Essen oder ich lade zu mir ein. Mir ist wichtig, dass wir uns auch mal privat fühlen und gemeinsam viel Positives erleben. Wir feiern jeden Geburtstag und bei Sitzungen nutzen wir Frage-Karten zur Einstimmung. Wir sprechen z.B. darüber, was wir mit den Kindern Schönes erleben. Wir lachen viel. Wenn Kolleginnen kündigen, dann, weil sie sich verändern oder etwas Neues erleben möchten. Und so manche kommt zurück.

Wie finden Sie geeignetes Personal?

Jemanden von außen zu finden, ist schwierig. Meine Erfahrung ist: Die, die uns kennen, mit denen wird das was. Die wissen, was für ein tolles Team wir haben. Daher beschäftigen wir gerne Schülerinnen und Schüler der Sozialpädagogischen Fachschulen. Was auch hilft: Die Vorbereitungszeit, das sind 20 Prozent, können wir im Homeoffice machen, das bietet nicht jeder Träger. Im Großen und Ganzen dürfen wir unsere Arbeit so gestalten, wie wir es für richtig halten. Innerhalb der Trägerschaft leiten wir uns Bewerbungen übrigens weiter.

Was wünschen Sie sich von Politik und Gesellschaft?

Mehr Anerkennung und Wertschätzung für unseren Beruf. Außerdem eine bessere Bezahlung. Und kleinere Gruppen fände ich fantastisch. Das würde sich auch positiv auf die Gruppendynamik auswirken. Was mich schockiert hat: Während der Coronazeit ging es in der öffentlichen Diskussion immer wieder um die Schulen. Nicht um die Kitas. Man hat uns vergessen.

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