Quereinstieg als Lösung?Pro & Contra

Aufgrund des massiven Fachkräftemangels in Kitas stellt sich die Frage, ob Menschen aus anderen Berufen der Wechsel in die Pädagogik leichter gemacht werden sollte.

Pro & Contra
© Florian Nütten

Wertvolle Kompetenzen einbringen

Ich bin selbst Quereinsteigerin und überzeugt davon, dass es wichtig ist, in Krippen und Kitas ebensolche zu beschäftigen. Es gibt zwei Gründe, warum ich das so sehe:

  1. Die Anforderungen an pädagogische Arbeit werden immer vielfältiger. Um ihnen gerecht zu werden, müssen Einrichtungen eine größere Bereitschaft zu Veränderungen entwickeln. Die Teams müssen zukunftsorientiert handeln und sich auf die Themen der Kinder einlassen. Die Basis dafür ermöglichen Leitung und Team gemeinsam. Sie sollten Führung, Arbeitsorganisation, pädagogische Konzepte und den Einsatz von digitalen Medien transparent besprechen. Menschen mit mehreren Berufserfahrungen verfügen oft über wertvolle Kompetenzen und sind hochmotiviert, diese einzubringen. Sie können im offenen Dialog neue Perspektiven ermöglichen.
  2. Es ist Fakt, dass wir mehr Fachkräfte brauchen. Warum werden Quereinsteigerinnen und -einsteiger dann mit einer starren Prüfungsordnung konfrontiert? Wo findet eine Berücksichtigung der wertvollen fachfremden und sozialen Kompetenzen statt? Bisher nur in der Praxis, durch das Team. Einrichtungsleitungen erkennen und fördern diese Qualitäten. Oft initiieren sie sogar den Schritt zur Schulfremdenprüfung. Von einer engmaschigen Zusammenarbeit zwischen Fachschulen, Hochschulen und Einrichtungen würden alle profitieren. Wir sollten gemeinsam für mehr Wertschätzung der Ausbildungsarbeit kämpfen. Gleiches gilt meiner Meinung nach auch für Fachkräfte mit Abschluss im Ausland. In vielen Branchen ist dies bereits gängige Praxis. 

Fachkräfte nicht an andere Branchen verlieren

Für mich sind Quereinsteiger nicht das Nonplusultra. In Deutschland herrscht Fachkräftemangel in nahezu allen Bereichen. Was macht es da für einen Sinn, sich die Fachkräfte gegenseitig auch noch abzuwerben? Wenn wir uns Quereinsteiger in der Kita vorstellen, dann denken wir meist an Menschen aus dem Handwerk: etwa Schreinerinnen und Schreiner oder Gärtnerinnen und Gärtner. Das sind Idealvorstellungen, weil man sich ausmalt, dass diese Menschen ihr Berufsfeld verlassen, um ihre dort erworbenen Fähigkeiten in der Kita einzubringen. Meiner Meinung nach ist das ein Trugschluss. Für den Kitabereich würde ich mir wünschen, dass wir in erster Linie dafür sorgen, dass nach Ausbildung oder Studium weniger Fachkräfte in andere Branchen abwandern. Sehen wir uns z.B. den Studiengang „Bildung und Erziehung im Kindesalter“ an: Warum landen die meisten Absolventinnen und Absolventen nicht in der Praxis? Hier wäre ausreichend Fachexpertise. Aber die entsprechende Eingruppierung für Hochschulabsolventen fehlt bisher. Oftmals verkennen wir auch die Chance des Sozialpraktikums. Wir sollten mehr Schülerinnen und Schülern schon früh Lust auf unseren Berufsstand machen, um sie nach der Schulzeit für ein freiwilliges soziales Jahr oder direkt als Auszubildende zu gewinnen. Eine hochwertige und qualifizierte Ausbildung trägt dazu bei, dass wir kompetente Fachkräfte auf den Arbeitsmarkt bringen und das Anwerben von Quereinsteigern nicht nötig wird. Ich wünsche mir leidenschaftliche Fachkräfte, die sich für Pädagogik interessieren. Die darauf brennen, die Zukunft mitzugestalten, und Kinder in ihrer Entwicklung begleiten möchten.

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