Macht die Handys aus!

Kleinstkinder müssen sich auf die Aufmerksamkeit ihrer Erzieherinnen verlassen können, findet Silke Hubrig. Aus Sicht der Pädagogin haben private Smartphones deshalb in Kita und Tagespflege nichts zu suchen.

Macht die Handys aus!
© Pixabay

Ob in der Freizeit oder bei der Arbeit: Heutzutage trägt (fast) jeder sein Smartphone permanent bei sich. Auch in mancher Kita und Tagespflegestelle ist zu beobachten, wie pädagogische Fachkräfte zwischendurch ihre Telefone zücken, um schnell die Nachricht einer Freundin zu lesen oder nachzuschauen, ob eine neue E-Mail eingegangen ist. Auf den ersten Blick scheint solch ein Internetbesuch via Smartphone vielleicht unproblematisch zu sein. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber schnell, dass das private Handy bei der Arbeit absolut nichts verloren hat. Denn im pädagogischen Alltag sollte die Aufmerksamkeit der Erzieherinnen uneingeschränkt den Kindern gelten. Nur so können die Mädchen und Jungen mit den pädagogischen Fachkräften als Lernbegleiterinnen die Umwelt erforschen und eine sichere Bindung zu ihnen aufbauen.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Gerade im Austausch mit den Jüngsten ist es wichtig, dass Erwachsene die sprachliche Kommunikation durch adäquate Gestik und / oder Mimik ergänzen. Das hilft dem Kind, die Nachricht zu entschlüsseln, fördert seine sprachliche Entwicklung und kommt seiner Beziehung zur Fachkraft zugute. Im Umkehrschluss kann es gravierende Folgen haben, wenn die Erzieherin auf ihr Handy starrt, während sie mit einem Kind redet. Das Kind kann in solch einem Fall keine Signale erkennen, die ihm helfen würden, die sprachliche Botschaft seiner Erzieherin zu verstehen – die Kommunikation ist gestört, das Kind fühlt sich alleingelassen. Doch nicht nur in expliziten Kommunikationssituationen haben Kinder Anspruch auf ungeteilte Aufmerksamkeit, Kita und Tagespflege sollten generell handyfreie Zonen sein! Und das nicht zuletzt, weil viele der Mädchen und Jungen außerhalb der Einrichtung schon oft genug erleben, dass Mobiltelefone mehr Beachtung finden als sie selbst – ein alarmierendes Phänomen unserer Zeit, das bei den Kindern Spuren hinterlässt! Hier sollten pädagogische Fachkräfte den professionellen Anspruch haben, u. a. Eltern mit gutem Beispiel voranzugehen.
Dieses Statement gegen die Handynutzung während der Arbeitszeit ist keineswegs als medienfeindlich zu verstehen. So ist ein Vorteil der mobilen Endgeräte zweifellos ihre Fotound Videofunktion, die zu Dokumentationszwecken genutzt werden kann. Doch schon allein aus Gründen des Datenschutzes sollten hierfür besser kitaeigene Smartphones zum Einsatz kommen bzw. eine Digitalkamera genutzt werden. Auch andere Funktionen eines Mobiltelefons können von etwas altmodischeren Geräten übernommen werden: Zu professionellen Recherchezwecken sollten z. B. alle Mitarbeiter Zugang zu einem internetfähigen Computer haben, zum Telefonieren lässt sich das Festnetztelefon der Kita nutzen, die Weckfunktion kann ein herkömmlicher Wecker übernehmen usw. All diese Alternativen minimieren die Versuchung, mal eben die Wettervorhersage für den Feierabend zu checken. Und sie erhöhen die Chance, sich stattdessen ganz und gar auf ein Kind zu konzentrieren, das gerade stolz sein neuestes Bild präsentieren will.  

Kleinstkinder-Newsletter

Ja, ich möchte den kostenlosen Kleinstkinder-Newsletter abonnieren und willige somit in die Verwendung meiner Kontaktdaten zum Zwecke des eMail-Marketings des Verlag Herders ein. Dieses Einverständnis kann ich jederzeit widerrufen.