Pro & ContraPlastikspielzeug in Kita und Tagespflege

Pädagogisch wertlos und gesundheitsgefährdend: Spielmaterialien aus Kunststoff stehen in der Kritik. Doch sind Spielsachen aus Holz oder anderen Naturmaterialien wirklich immer die besseren? Zwei Experten – zwei Meinungen.

Plastikspielzeug in der Kita
© privat

Kinder haben ein Recht auf Plastikspielzeug!

Denn Kunststoff gehört nun einmal zu unserer heutigen Welt dazu, somit sollten Kinder auch mit diesem Material Erfahrungen sammeln können. Und Plastik ermöglicht vielerlei sinnliche Erfahrungen, auch wenn diese nicht so romantisch besetzt sind wie etwa der Geruch von Holz. So kann Kunststoff z. B. fest oder nachgiebig sein, eine spiegelglatte oder raue Oberfläche haben, knistern oder tönen, um nur ein paar seiner möglichen Eigenschaften zu nennen. Sicher, es gibt vieles, was man an Plastik kritisieren kann, von seiner Herstellung über eventuelle Weichmacher bis hin zum pädagogischen Anspruch mancher daraus hergestellter Spielmaterialien, so etwa lärmende und blinkende „Activity-Center“. Doch gerade wenn es um pädagogische Fragwürdigkeit geht, ist nicht das Material an sich das Problem, denn schlechtes Spielzeug wird nicht automatisch dadurch besser, dass es plötzlich aus Naturmaterialien hergestellt wird. Im Umkehrschluss wird Spielzeug für Kinder auch nicht automatisch wertloser, nur weil es aus Kunststoff ist – denn es kommt immer darauf an, was man daraus macht! Plastik ermöglicht guten Designern die Umsetzung toller Spielzeugideen, die aus Holz oder Eisen nur schwer herzustellen wären, ob Lego, Playmobil oder Bobbycars. Gleichzeitig gibt es im Spielzeug-Discount auch fürchterliche Holzspielzeuge mit albernen Effekten und unschönem Design. Also: Nicht einfach nur die Nase über Plastik rümpfen, sondern den Kindern die pädagogisch wertvollsten Spielzeuge zur Verfügung stellen, aus welchem Material auch immer.

Plastikspielzeug gehört nicht in Kinderhände!

Denn die Funktion ist hier meist vorgegeben, die Gestaltung oft wenig anregend; das hemmt Kreativität und Experimentierfreude der Kinder. Vor allem aber ist nachgewiesen, dass Spielzeug aus Plastik teils Giftstoffe enthält. So wird etwa der Kunststoff PVC erst durch die Zugabe von Weichmachern wie Phthalaten elastisch, sie sind die häufigsten Gefahrenstoffe in Plastikspielzeug. Phthalate werden mit der Zeit wieder freigesetzt und können so in den kindlichen Organismus gelangen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schließt bei massivem Kontakt mit bestimmten Weichmachern in Spielzeug und anderen Artikeln aus Kunststoff Langzeitschädigungen wie Unfruchtbarkeit nicht aus. Die geltenden Grenzwerte verhindern solche gesundheitlichen Risiken für Kinder nicht, denn obwohl einige dieser Weichmacher gesetzlich verboten sind, wird immer noch belastetes Spielzeug verkauft. Das Problem: Die Hersteller müssen die Einhaltung der Grenzwerte nicht nachweisen. Bei Spielsachen aus Massivholz, die in Deutschland produziert und mit unbedenklichen Lacken oder Farben behandelt wurden, ist eine Gesundheitsgefährdung auszuschließen. Auch das Spiel mit Naturmaterialien, ob mit Steinen oder Sand, ist unbedenklich und lässt den Kindern mehr Freiraum für eigene Ideen. Es macht Spaß, nach Alternativen zu Plastikspielzeug zu suchen – Kitas und Tagespflege sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen! Die Erfahrung zeigt, dass sich der Gedanke vom Spiel ohne Plastik oft nachhaltig auf die Familien überträgt, die sich mit diesem Thema zuvor nicht befasst haben.  

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