Corona-Update: Kitas in Zeiten von CoronaStatements und Neujahrswünsche

Was sind Ihre Wünsche in Zeiten von Corona – an Politik, Kita-Träger und die Eltern – fürs neue Jahr? Wie blicken Sie aufs vergangene Jahr zurück? Diese Fragen stellten wir pädagogischen Fachkräften, Eltern und Gewerkschaftsvertreter*innen. Wie würden Sie diese Fragen beantworten? Kommentieren Sie den Beitrag unter „Diskussion“ am Ende der Seite.

Corona-Update
© privat, Ramona Zuehlke, Kay Herschelmann

Iris Buchenau: Der Umgang mit Corona entzweit uns. Jeder hat seine Meinung, was richtig und was falsch ist. Und die Interessen zwischen Erzieher*innen, die Weihnachten mit ihren Liebsten ohne Ängste feiern wollen, und Eltern, die wissen, dass ihr Liebstes in der Kita am besten aufgehoben ist, gehen naturgemäß auseinander. Die Erfahrungen im Frühjahr haben uns eindringlich gezeigt, dass wir Kinder nicht noch einmal wochenlang zu Hause versauern lassen dürfen.
Es ist wichtig, dass Kitas und Schulen als Erstes wieder öffnen. Aber ich kann nicht nachvollziehen, warum Kitas in Rheinland-Pfalz in diesem zweiten Lockdown offenbleiben – im Regelbetrieb. Nur, wenn alle Kontakte minimiert sind, hat der Lockdown doch Erfolg? Und mit welchem Argument stehen Eltern von kleinen Kindern nun vor ihrem Chef, wenn sie der Empfehlung der Regierung folgen und ihre Kinder bis 10. Januar zu Hause betreuen wollen?
Von den politischen Entscheidungsträgern wünsche ich mir mehr Klarheit. Denn Eltern, Erzieher*innen oder Leitungen – wir blicken nicht mehr durch. Ist unsere Kita nun normal geöffnet oder nicht? Und wie kann es sein, dass Kitas bei einer Inzidenz von 300 bis über 500 im Regelbetrieb geöffnet sind, während sie andernorts bei deutlich niedrigeren Inzidenzwerten geschlossen sind?
Für 2021 erhoffe ich mir für meine eigenen und unsere Kita-Kinder und -Familien endlich wieder Normalität. Denn egal, wie sehr unsere Meinungen über Corona auseinandergehen und aufeinanderprallen, in diesem Ziel sind wir alle vereint.
Iris Buchenau, Erzieherin im integrierten Waldkindergarten „Kita am Wald“ in Schifferstadt.

Gundula Zschaler: 2020 war für Kitas ein sehr herausforderndes Jahr, aber auch voller wertvoller Erkenntnisse und Erfahrungen. Daraus ergeben sich meine Wünsche für das neue Jahr:
Von der Politik wünsche ich mir, dass Kitas endlich als Bildungseinrichtungen gesehen und anerkannt werden. Die Bezahlung sowie die Anerkennung von Erzieher*innen sollte an die von Lehrer*innen angeglichen werden. Eine bessere Personalausstattung sowie die monetäre Anerkennung von Hochschulabschlüssen gehören ebenso dazu. Die Bedeutung nicht nur von Betreuung, sondern auch von Bildung in den ersten Lebensjahren ist in diesem Jahr besonders deutlich geworden.
Zudem wünsche ich mir von der Politik bei zukünftigen Entscheidungen mehr Transparenz und Zeit. Kurzfristige Auflagen mussten in Kitas in Windeseile umgesetzt werden, deren Sinn für Pädagoginnen und Pädagogen und die Eltern nicht immer nachvollziehbar war.
Von Kitaträgern wünsche ich mir eine gute Planung und Ausstattung, sodass digitales Arbeiten effizienter gestaltet werden kann, sowie mutiges Reagieren auf Personalengpässe. Die lange Duldung schlechter Arbeitsbedingungen sorgt für eine hohe Fluktuation von Mitarbeiter*innen und eine Reduzierung von Arbeitszeiten.
Für die Eltern und von den Eltern wünsche ich mir Offenheit für pädagogische Konzepte, für Familienvielfalt und diverse Familienkulturen. Ich wünsche ihnen Aufmerksamkeit für sich und ihre Kinder, Gelassenheit in Konfliktsituationen und in ihrem Anspruch an die Kinder. Ich wünsche mir auch hier Solidarität mit anderen – einen Fokus, der nicht nur das eigene Kind, sondern auch andere Familien und Mitarbeiter*innen berücksichtigt.
Eine hohe Relevanz sehe ich darin, dass zwischen Personen und Institutionen, der Politik und den Bürger*innen sowie im zwischenmenschlichen Bereich das Verbindende im Fokus stehen sollte und nicht das Trennende. Wenn wir uns mehr als Gemeinschaft mit gemeinsamen Interessen sehen, birgt das kommende Jahr eine große Chance für Weiterentwicklung in vielen gesellschaftlichen Bereichen.
Gundula Zschaler, Leiterin des FRÖBEL Kindergartens „Stepping Stones“, Berlin.

Gabriele Schmal: Für mich endet mit 2020 ein besonderes Jahr, dass von uns allen besonders Flexibilität und Anpassungsfähigkeit gefordert hat. Mit der Schließung der Kitas wurden Fortbildungsformate und Fachberatungswünsche zurückgestellt. Die so gewonnene Zeit nutzte ich zum Erarbeiten neuer Inhalte. Die Umstellung auf digitales Arbeiten erfolgte in einem so rasantem Tempo, dass ich im Rückblick überwältigt bin.
Für das Jahr 2021 wünsche ich mir, dass

  1. die Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft die Rechte der Kinder neu und besser fokussieren. Zeitweilig hatte ich den Eindruck, dass Kinder – und alle Voraussetzungen zu deren Entwicklung – komplett aus dem Blickfeld gerückt waren. Möglichkeiten zur gesunden sozialen Entwicklung wie z. B. das gemeinsame Spiel auf dem Spielplatz, im Sportverein, in der Kita oder Schule sollten als unveränderliches Recht erhalten bleiben.
  2. Von Kita-Trägern und allen Beteiligten zum verantwortlichen Betreiben der Kitas wünsche ich mir, dass die herausfordernde Arbeit der Kita-Leiter*innen und aller pädagogischen Fachkräfte besonders gewürdigt wird. Sie sind diejenigen, die täglich ein hohes Ansteckungsrisiko tragen und trotzdem unter hohem persönlichen Einsatz den Betrieb der Kitas sichern. Deshalb lohnt es sich, in besonders gut qualifiziertes Personal zu investieren und den Arbeitsplatz Kita für dieses attraktiver zu gestalten.
  3. Für Eltern und deren Kindern wünsche ich mir, dass sie nicht aufhören, für ihre Rechte einzustehen, und dass sie immer wieder laut darauf hinweisen, dass Bildungsangebote für unsere Kinder verfassungsrechtlich garantiert sind. Sie sollten dabei nach Wegen suchen, die sie mit den pädagogischen Fachkräften gemeinsam beschreiten können, die verbinden und nicht trennen.

Gabriele Schmal, Fachberaterin im Bundesprogramm Sprache bei der Stadt Freiburg.

Sofie Raff: Hätte uns vorher jemand gefragt, ob wir unsere Jobs ohne Kinderbetreuung ausführen könnten, hätten mein Mann und ich wohl nur ungläubig gelacht. Doch im März 2020 musste es irgendwie gehen, für beinahe drei Monate. In den Medien kursierten Bilder von lächelnden Frauen im Homeoffice, die ein zufriedenes Kind auf dem Schoß hatten (während von Vätern solche Kunststückchen recht selten erwartet wurden).
Es ging, irgendwie. Mein Mann und ich haben flexible Arbeitszeiten und konnten uns oft aufteilen, ein großes Privileg in dieser Zeit. Es ging, mit viel Lego, Hörspielen und Medien, vielen Kompromissen, mit Stress und Frustration, aber auch mit schönen Nachmittagen im Wald und Kindern, die den Schlafanzug manchmal erst am Mittag auszogen.
Als die Kitas wieder öffneten, war ich vor allem dankbar. Die Fachkräfte setzten sich einem teilweise nicht unerheblichen Risiko aus, um unsere Kinder ohne nennenswerten Infektionsschutz zu betreuen. Sie gaben den Kindern viel Sicherheit und Normalität zurück, mussten aber dabei mit wenig Anerkennung seitens der Politik und teilweise widersprüchlichen Vorschriften umgehen. Jetzt sind die Kitas – mit Einschränkungen – wieder zu. Wer und wie Notbetreuung in Anspruch nehmen kann, ist schwammig und unklar formuliert. So liegt die Last der Entscheidung bei den Eltern und beim Träger. Die Politik spricht „dringende Empfehlungen“ aus, scheint aber im Grunde trotzdem die volle Arbeitskraft der Eltern zu erwarten. Und die der Fachkräfte, deren Risiko angesichts der hohen Fallzahlen noch weiter gestiegen ist, sowieso.
Fürs nächste Jahr wünsche ich mir, dass die Politik Verantwortung übernimmt und klare Strukturen schafft. Eltern und Fachkräfte brauchen Rückendeckung und Konzepte, die über das Lüften der Gruppenräume und Videokonferenzen mit unerklärlich geduldigen 3-Jährigen auf dem Schoß hinausgehen.
Sofie Raff, Redakteurin bei kindergarten heute und Mutter von zwei Kindern.

Björn Köhler: Für das neue Jahr wünsche ich mir von der Politik, dass sie die Kitas in den Blick nimmt, Konzepte entwickelt, damit die Kolleginnen und Kollegen sicher arbeiten können, und dass sie Entlastung für die Teams schafft.
Von den Trägern wünsche ich mir Flexibilität, neue Wege auszuprobieren. Sie sollten die Kolleginnen und Kollegen aus Risikogruppen mit Aufgaben betrauen, die es diesen ermöglichen, nicht direkt mit Kindern und anderen Menschen arbeiten zu müssen.
Für die Eltern wünsche ich mir, dass die politischen Entscheidungen für Familien planbar sind und die Politik sie entlastet.
Unter dem Strich wünsche ich mir, dass das Jahr 2021 besser wird als 2020 endet. Wir wollen die Erfahrungen aus dieser schwierigen Zeit nutzen, um in Zukunft besser für Krisen gewappnet zu sein.
Björn Köhler, Vorstandsmitglied Jugendhilfe und Sozialarbeit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Elke Alsago: Wir haben ein schwieriges Jahr hinter uns. Euch allen sei Dank für euren unermüdlichen Einsatz unter den Corona-Bedingungen. Ihr seid an eure Grenzen gegangen und viele auch weit darüber hinaus. In vielen Kitas wird der Gesundheitsschutz der Beschäftigten missachtet und es kommt zu Erkrankungen. Das ist nicht hinnehmbar!
Mit Sorge beobachte ich die zunehmende Abwertung der Kindertageseinrichtungen und damit auch eure Arbeit und Profession. In der öffentlichen Wahrnehmung existieren fast nur noch die Betreuung und der sogenannte Regelbetrieb der Kitas, womit meist nur die Aufrechterhaltung der Öffnungszeiten für alle Kinder gemeint ist.
Jahrzehntelang haben wir uns für eine fachliche und finanzielle Aufwertung unseres Arbeitsbereiches eingesetzt. Wir haben die Kitas zu Bildungs- und Lebensorten für alle Kinder entwickelt, individuelle Lern- und Entwicklungsbegleitung etabliert und in den großen Streiks von 2009 und 2015 für die monetäre Aufwertung unserer Arbeit gekämpft. Dabei wurden auch tarifliche Regelungen für den Gesundheitsschutz erstritten, die jetzt bei den Trägern und Ländern vergessen sind.
So kann und darf es nicht weitergehen! Wir müssen laut werden! Das kommende Jahr nutzen, unsere Kräfte bündeln, Strategien diskutieren und Verbündete gewinnen. Auch Mütter und Väter haben ein Interesse daran, dass es ihren Kindern in den Kitas gut geht. Und wir werden uns im nächsten Jahr auf die Fortführung unserer Verhandlungen für den Sozial- und Erziehungsdienst vorbereiten, die wir aufgrund der Pandemie ausgesetzt haben. Das geht nur gemeinsam! Solidarisch, miteinander und füreinander!
Dr. Elke Alsago, Fachreferentin bei ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, Schwerpunkt Kita.

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