So spricht der DachsHörspiele selbst aufnehmen

Rrring, platsch, seufz – mit selbst gemachten Geräuschen, der Ausdruckskraft der Stimme und geeigneten Materialien lassen sich Geschichten zum Leben erwecken. Tipps und Tricks für das eigene Tonstudio in der Kita.

So spricht der Dachs
© Carolin Leder, Wichtel Akademie München

Das Vorlesen ist fester Bestandteil des Alltags in der „Wichtel Akademie“. Die Kinder der Pandabären- Gruppe hatten sich die Geschichte „Der Dachs hat heute schlechte Laune“ von Udo Weigelt ausgesucht. Die Geschichte faszinierte die Kinder, doch beim gemeinsamen Anschauen des Bilderbuchs wurde eines festgestellt: Einer größeren Gruppe aus einem Buch vorzulesen, kann sehr herausfordernd sein, da nicht alle Kinder gleichzeitig ins Buch und auf die Bilder schauen können. Somit war schnell klar: Für diese Geschichte musste eine Alternative her. Gemeinsam sammelten die Kinder in der Kinderkonferenz Ideen. So entstand der Vorschlag, die Erzählung in ein Bilderbuchkino zu verwandeln. Die Kino-Vorführung fand in der Turnhalle der Kita statt. Schon beim Betreten des vorbereiteten Raumes waren die Kinder von der besonderen Kino-Atmosphäre gefesselt. Mithilfe eines Beamers wurden die zuvor eingescannten Bilder an eine große Wand geworfen. Die Gruppe war begeistert – alle Kinder konnten die Bilder gleichzeitig sehen, während die Erzieherin die Geschichte vorlas.

Und wie ging es weiter?

Nach dem Bilderbuchkino beschäftigte die Gruppe die Frage, auf welche Weise die Geschichte noch erzählt werden könnte. Um dies zu klären und gemeinsam unterschiedliche Möglichkeiten zu diskutieren, wurde erneut eine Kinderkonferenz einberufen. Da die Kinder in der Ruhezeit nach dem Mittagessen oft Hörspiele und -bücher anhören, ging ihr Interesse in diese Richtung: „Können wir so etwas auch selbst herstellen? Wie schön wäre es, die Geschichte vom Dachs auf CD zu haben!“
Die Entscheidung fiel einstimmig: Die Geschichte sollte ein Hörspiel werden. Gemeinsam überlegten die Kinder, wie dies umzusetzen sei. „Wir müssen jemanden finden, der für uns vorliest“, waren die ersten Gedanken. Als die Kinder erfuhren, dass sie dies auch selbst schaffen können, waren sie begeistert.
Zunächst lernten die Kinder die dafür benötigten technischen Geräte wie Mikrofon und Aufnahmegerät kennen und verfolgten die Einweisung mit leuchtenden Augen. Sie lernten so auch den wertschätzenden Umgang mit den Geräten.

Hörspielproduktion in kleinen Schritten

  • Herstellung der Geräusche: Gemeinsam wurden alle Geräusche im Buch ausfindig gemacht und überlegt, wie sie vertont werden könnten, z. B. mit einem Metalllöffel in einem Becher rühren. In der Geräuschwerkstatt stellten die Kinder fest: Nicht alles, was ich in den Medien höre oder sehe, ist wahr. Das Donnergeräusch im Hörspiel kann beispielsweise durch eine Blechdose und einen Tennisball erzeugt werden.
  • Einsprechen der Geschichte: Im Medienzentrum München ging es für die Schulhüpfer der Panda-Gruppe ins Tonstudio. Zunächst erfuhren sie dort viel Neues über die Entstehung und Bearbeitung von Tönen und Tonspuren. Danach gingen die Kinder zu zweit in die schallgeschützten Sprecherkabinen und erzählten in eigenen Worten die Geschichte vom kleinen Dachs, indem sie ins Mikrofon sprachen. Als sie danach die Aufnahmen ihrer eigenen Stimmen hörten, waren sie mächtig stolz.
  • Gestaltung des Covers: Während die Geschichte von den Hörfunk-Profis geschnitten und auf CD gebrannt wurde, widmeten sich die Kinder in der Kita der Konzeption und Gestaltung des CD-Covers. Auf weißes Papier wurden Tierfiguren aufgeklebt, die zuvor aus Katalogen und Zeitschriften ausgeschnitten worden waren. Das Ergebnis scannten sie gemeinsam mit der pädagogischen Fachkraft ein. In diesem Zug wurden die beiden Geräte Drucker und Scanner eingeführt und erklärt. „Wie funktioniert das Gerät eigentlich? Wie kann ich es richtig bedienen? Und wo kommt das eingescannte Cover-Bild hin?“ – Fragen über Fragen, auf die die Kinder spannende Antworten erhielten.

Die finalen Exemplare wurden nicht nur den Eltern mitgegeben, sondern auch im Haus verteilt. Unser Hörspiel regte so andere Fachkräfte an, sich intensiver mit der Medienarbeit zu beschäftigen. Die Hörspiel-Variante des kleinen Dachses, gesprochen von den Kindern der Pandabären-Gruppe, wird von allen Kita-Kindern der „Wichtel Akademie“ in der Ruhezeit mit viel Freude gehört.

Hörspiele ohne viel Equipment

Hörspiele können auch ohne einen Besuch im Tonstudio produziert werden. In der Kita brauchen Sie dafür lediglich ein Mobiltelefon oder ein Aufnahmegerät (schon ab € 60 erhältlich). Die Stimmen und Geräusche können damit problemlos aufgenommen werden. Für den Schnitt gibt es kostenlose Programme wie Audacity, die sich einfach bedienen lassen.

Keine Angst vor Geräten

Technische Geräte bergen zwar die Gefahr, dass bei der Bedienung etwas schiefgeht, aber in den seltensten Fällen passiert das tatsächlich. Die meisten sind auch für Laien einfach zu nutzen. Bitten Sie bei Schwierigkeiten kompetente Kolleg*innen um Hilfe.

Einfache Materialien nutzen

Mithilfe von Knetmasse und Digitalkamera kann leicht und ohne viel Aufwand ein Film produziert werden. Formen Sie Knetfiguren und schießen Sie mehrere Fotos hintereinander, indem die Position der Figuren immer wieder ein wenig verändert wird. So entsteht ein einfaches Trickfilm-Daumenkino.

Kinder als Expert*innen

Die Kinder bringen allerhand Erfahrungen aus ihrem Alltag mit. Dazu gehört auch Wissen über Medien und technische Geräte. Nutzen Sie diese Kenntnisse in Ihren Projekten.

Tipps:

Die Broschüre von „Ohrenspitzer mini“ fasst Basiswissen und Handlungsbeispiele kompakt zusammen: www.ohrenspitzer.de/ fileadmin/files/Publikationen/ Ohrenspitzer_mini_Broschuere_ 2015.pdf

Geräusch-Rezepte und Geräusche zum Herunterladen gibt’s auf www.auditorix.de

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