Partizipation

Definition aus der Praxis:

Partizipation ist vielmehr als nur eine partielle Beteiligung, die ein Mitentscheiden oder Mitwirken mit einer gewissen Beliebigkeit mal zulässt und mal nicht. Die Grundhaltung für partizipative Prozesse ist die Kinder als Experten in eigener Sache zu sehen. (…) Dabei hat Beteiligung auch immer mit Machtabgabe zu tun. Erwachsene verzichten bewusst auf einen Teil ihrer Macht. (…) Dazu gehört viel Zutrauen in die Kinder. (…) Auch die Kinder müssen erst einmal lernen, mit der neuen Macht, die sie erhalten, umzugehen. Dafür brauchen sie die aktive Unterstützung durch Erwachsene.

Fachwissenschaftliche Definition:

Der Begriff der Partizipation (lat. particeps = teilhabend) bezeichnet grundsätzlich verschiedene Formen von Beteiligung, Teilhabe und Mitbestimmung. Partizipation in Kindertageseinrichtungen ist die ernst gemeinte, altersgemäße Beteiligung der Kinder am Einrichtungsleben im Rahmen ihrer Erziehung und Bildung. Die Kinder bringen in einem von Wertschätzung geprägten Dialog sich und ihre Ideen, Meinungen Empfindungen und Sichtweisen ein und beeinflussen aktiv ihren Alltag. Nach §9 > SBGVIII ist „die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes oder Jugendlichen zu selbstständigem, verantwortungsbewusstem Handeln (…) zu berücksichtigen“.
Grundvoraussetzung für eine gelingende Partizipation ist eine positive Grundhaltung der Erzieherinnen. Die Kinder müssen als Gesprächspartner wahr- und ernst genommen werden, ohne dass die Grenzen zwischen Erwachsenen und Kindern verwischt werden. Partizipation sollte auch durch die Einrichtungsleitung im Team der Kindertageseinrichtung praktiziert werden.
Partizipation kann über Kinderkonferenzen genauso gelebt werden, wie über die Beteiligung von Kindern bei der Entwicklung von Projekten. In Gruppen mit Schulkindern können Gruppensprecher gewählt und Kindervertretungen gebildet werden.
Im Bereich der Zusammenarbeit mit Eltern kann Partizipation ebenso praktiziert werden, z.B. über den Elternbeirat.
Eine Kinderkonferenz (oder Kinderversammlung, Kinderplenum) ist eine Art, Kinder am Einrichtungsleben zu beteiligen. Kinder können in eine Kinderkonferenz ihre Themen, Fragen, Ideen, Sorgen und Nöte einbringen. Die Gruppe kann die Themen aufgreifen, diskutieren und daraus Neues entwickeln. Auf jeden Fall ist eine Kinderkonferenz mehr als das Mitteilen von Informationen an die Kinder. Je nach Alter der Kinder übernimmt eine Erzieherin oder ein Kind die Moderation. In der außerschulischen Betreuung ist es z.B. denkbar, dass Kinder ein Protokoll schreiben. Symbole und Rituale können den Ablauf einer Kinderkonferenz erleichtern.