Gut recherchierter Insider-Bericht über die MalteserSymptomatisch auch für die Kirche

Constantin Magnis:Gefallene Ritter. Der Machtkampf zwischen zwei der ältesten Institutionen der Welt.Harper Collins, Hamburg 2020. 299 S., 24,00 ¤ (D).

2017 wurde der Großmeister der Malteser, Matthew Festing, von Papst Franziskus persönlich aus dem Amt kommandiert. Dieses ungewöhnliche Ereignis ist der Ausgangspunkt für Constantin Magnis’ Buch. Es handelt von der jüngsten Krise eines Ordens, der souveränes Völkerrechtssubjekt ist und kulturelles Refugium des katholischen europäischen Adels. Von Offshore-Millionen, Freimaurern bis hin zu Kondomen und Kardinal Leo Burke kommt alles vor, was einem fiktionalen Roman alle Ehre machen würde. Aber das ist er nicht.

Für die Recherche hat Magnis 400 interne Dokumente, Tagebuchauszüge, E-Mails und Protokolle ausgewertet und 50 Interviews geführt. So kann er präzise und unterhaltsam die Welt vatikanischer Hinterzimmer, römischer Paläste, erlesener Gesellschaften beschreiben und stellt die Protagonisten in all ihren Facetten vor – eine Welt, von der die meisten Katholiken ahnen, dass es sie gibt, aber nur eine vage Vorstellung von ihr haben. Mit großem Gewinn liest man besonders die kleinen Beobachtungen, die symptomatisch für die Kirche als ganze und nicht nur für den Orden der Malteser sind. So schildert Magnis, wie eine Gruppe bei einer Messfeier im alten Ritus überrascht wird und sich daraufhin das Gefühl einstellt, „erwischt“ worden zu sein – und zwar von denjenigen, die diesem Ritus gegenüber eine Mischung aus Angst und Verachtung entgegenbringen, weil sie diese Form der Spiritualität als einen reaktionären Rückfall ansehen. Die Anhänger des alten Ritus wiederum sehen die anderen als „verweltlichte Zeitgeistkatholiken“ an, die den Orden in eine humanitäre NGO umbauen wollen. Wie zerstörerisch muss es für eine Gemeinschaft sein, wenn einander in ihrem intimsten und innersten Kern Argwohn und Ablehnung entgegengebracht werden? Es ist die jährliche Wallfahrt nach Lourdes, bei der mehr als 7000 Malteser kranke und behinderte Menschen pflegen und begleiten, die den Orden über alle Konflikte hinweg zusammenhält. „Und ich fragte mich, ob nicht die Kranken diesen Orden mindestens genauso stärken und aufrichten wie umgekehrt“, schreibt Magnis. Eine Erkenntnis, die nicht nur für die Malteser, sondern auch für die Kirche gilt. Katrin Visse

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Constantin Magnis

Gefallene Ritter.Der Machtkampf zwischen zwei der ältesten Institutionen der Welt.

Harper Collins, Hamburg 2020. 299 S., 24,00 ¤ (D).

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