BuchbesprechungKlaus Viertbauer und Franz Gruber (Hg.): Habermas und die Religion

Zu den „Bildern des Jahres“ 2004 zählte vermutlich für nicht wenig kulturell-religiös interessierte Zeitgenossen eines von der Diskussion zwischen Kardinal Joseph Ratzinger und Jürgen Habermas in der Münchner Katholischen Akademie. Die Veranstaltung belegte augenfällig das für viele überraschende Interesse des 1929 geborenen Philosophen Habermas an religiösen und theologischen Fragestellungen. Der vorliegende Sammelband versucht so etwas wie eine – natürlich vorläufige – Bilanz sowohl der einschlägigen Wortmeldungen von Habermas wie der theologischen Reaktionen darauf.

Es gehört zu den naturgegebenen Eigenschaften von Sammelbänden, dass ihre Beiträge von unterschiedlichem Gewicht sind, sowohl was ihre Lesbarkeit wie ihre Stringenz oder ihre Nähe zum Gesamtthema anbelangt. Dennoch bietet der Band insgesamt einen umfassenden und durchaus anregenden Überblick zu Kontexten und Wirkungen der religionsbezogenen Äußerungen des nach eigener Einschätzung „religiös unmusikalischen“ Philosophen Habermas.

Klaus Viertbauer skizziert in einem knappen Auftaktbeitrag die Stationen des diesbezüglichen Weges und resümiert, das Verhältnis zwischen Glauben und Wissen, das Habermas seit seiner „Theorie des kommunikativen Handelns“ von 1981 auszuloten trachte, weise eine „Kontinuität in Brüchen“ auf (28). Er arbeite sich Schritt für Schritt an einem aus dem Säkularisierungsprozess hervorgegangenen Vernunftbegriff ab. Franz Gruber formuliert in seinem sehr klaren und hilfreichen Beitrag die Ausgangthese: „Von Anfang an übte Habermas’ Theorie des kommunikativen Handelns eine hohe Attraktivität auf die Theologie, besonders auf die katholische aus“ (211). Er arbeitet die Entwicklungen in der Theologie des 20. Jahrhunderts heraus, die ein Interesse am Denken von Habermas ermöglichen, wie auch die Konfliktlinien, die sich für die Theologie daraus ergeben. Hans-Joachim Höhn wiederum verweist auf die Chancen einer Begegnung von Diskursethik und katholischer Soziallehre, verbunden mit der Mahnung: Wer auf die Dauer seine Reflexionen jenseits der Diskursethik ansiedle, lasse eines der interessantesten Gesprächsangebote zwischen Theologie und Philosophie aus: „Damit nimmt die Wahrscheinlichkeit sozialethischer Selbstgespräche zu“ (237).

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Klaus Viertbauer und Franz Gruber (Hg.)

Habermas und die Religion

Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2017. 272 S.79,95 € (D)