BuchbesprechungJan-Heiner Tück (Hg.), Der Theologenpapst. Eine kritische Würdigung Benedikts XVI.

Vor einem Jahr trat Benedikt XVI. zur allgemeinen Überraschung zurück. Der Titel dieses vom Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück herausgegebenen (und kundig eingeleiteten) Sammelbandes nennt das Kennzeichen, unter dem dieser Pontifikat in die Papstgeschichte eingehen dürfte: Benedikt XVI. war als Papst vor allem Theologe, wie zuvor schon als Präfekt der Glaubenskongregation und in seiner kurzen Amtszeit als Bischof. Insofern ist es die Mühe wert, die Theologie des jetzt emeritierten Papstes zu bilanzieren; an Material für eine solche Bilanz fehlt es nicht.

Die Beiträge des Bandes stammen meist von Katholiken, daneben sind auch die protestantische, orthodoxe und jüdische Theologie vertreten. Der Grundtenor ist wohlwollend, allerdings in keinster Weise lobhudelnd. Die Autorinnen und Autoren bemühen sich in der Regel wirklich um ein kritisches Resümee der theologischen Positionen Benedikts, die ja sämtlich in seine Zeit vor dem Papstamt zurückreichen. So finden sich kluge und differenzierte Analysen etwa zur Rede des deutschen Papstes im Bundestag bei seinem Deutschland-Besuch im Herbst 2011 (Martin RhonheimerChristoph Schönberger). Sie problematisieren vor allem die Rolle der naturrechtlichen Argumentation Benedikts XVI. Aufschlussreich sind auch die den Jesusbüchern des „Theologenpapstes“ gewidmeten Beiträge von Ludger Schwienhorst-Schönberger und Thomas Söding. Ersterer kommt zu dem Schluss, es sei wissenschaftsgeschichtlich nicht korrekt, die Position des Papstes als vorkritisch zu bezeichnen: „In Wahrheit ist sie post-kritisch, nicht weil sie die Kritik hinter sich lässt, sondern weil sie die Kritik aufgreift und in ein erweitertes Modell integriert“ (201).

Bertram Stubenrauch und Johanna Rahner befassen sich mit dem Thema Kirchenreform und Reformstau bei Benedikt XVI., nicht ohne Hinweise auf Defizite und blinde Flecken in seinem Kirchenbild. So hält Johanna Rahner mit Recht fest: „Die ersten Herausforderungen an eine Reform der katholischen Kirche, die Frage nach Kommunikation und der Schaffung dazu notwendiger Strukturen, entspringt ihrer innersten theologischen Mitte“ (312). Kardinal Kurt Koch, Präsident des Einheitsrates, bescheinigt dem Pontifikat Benedikts XVI., es sei ein „konsequent ökumenisches“ gewesen, weil ganz christozentrisch und evangelisch (330). Der Beitrag des orthodoxen Theologen Grigorios Larentzakis gießt dagegen etwas Wein ins ökumenische Wasser. Auch beim Thema Liturgie kommen zwei unterschiedlich akzentuierte Stimmen zu Wort (Helmut HopingAlbert Gerhards). Der insgesamt sehr respektable und ehrliche Band schließt mit Gedanken des Schriftstellers Arnold Stadler zum „großen Verzicht“ Benedikts XVI.

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Jan-Heiner Tück (Hg.)

Der TheologenpapstEine kritische Würdigung Benedikts XVI

Verlag Herder, Freiburg 2013.