Der Ad-limina-Besuch hallt nachBeziehungsstatus: Kompliziert

Kurienkardinäle rechnen mit dem Synodalen Weg ab und bringen das bewusst in die Öffentlichkeit. Wer meint, seine Macht auf diese Weise demonstrieren zu müssen, hat sie schon verloren. Der schlechte Stil und die auseinanderklaffende Wahrnehmung verstören nachhaltig.

Sicher, man wird auch am jüngsten Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe noch etwas Gutes finden können. Da ist zum Beispiel die ungewohnte Offenheit. Auch früher schon hat es bei solchen Treffen Konflikte gegeben – nur stand davon nichts in den Kommuniqués. Jetzt aber haben die Kurienkardinäle Luis Ladaria und Marc Ouellet mit einigen Tagen Abstand ihre Ansprachen veröffentlicht. Und so können nun alle nachlesen, wie diametral unterschiedlich man im Vatikan und in Deutschland die Lage der Dinge beurteilt. We agree to disagree. Frei übersetzt: Hier seht ihr, dass wir auf unterschiedlichen Planeten leben. Das ehrlich zu dokumentieren, ist immerhin ein Anfang. Jeder Paartherapeut wird das bestätigen.

Zudem können die in ihrer Mehrheit reformorientierten Bischöfe aus Deutschland ja einen handfesten Erfolg verbuchen. Sie hatten in Rom ihren Luther- beziehungsweise Paulus- Moment. Als Marc Ouellet ein „Moratorium“ für den deutschen Reformweg verlangte – eine Pause, die dessen Aus bedeutet hätte –, traten ihm die Bischöfe offen entgegen. Dies ist in der Tat keine Kleinigkeit, wie der Essener Oberhirte Franz-Josef Overbeck zu Recht betont.

Trotzdem darf man sich die Begegnung nicht schönreden. Wer die Ansprachen der beiden Kardinäle liest, bleibt fassungslos zurück. Welche Süffisanz, welche Arroganz faktisch längst verlorener Autorität, welche einseitige Perspektive und, ja, auch welche kalte Verachtung theologisch gut begründeter Positionen! Die vatikanische Haltung scheint klar: Nur wir sind qua Amt die Hüter der Wahrheit. Dass diese Hybris bei etlichen in Rom vorherrscht, war bisher schon kein Geheimnis. Aber es schwarz auf weiß und gewissermaßen von höchster Stelle beglaubigt zu lesen, das ist schon hart. Dazu dann noch die Fotos, wie die Bischöfe dastehen und buchstäblich von oben herab abgekanzelt werden. So spricht man hier also mit den wichtigsten Mitarbeitern! Fast ist man froh, dass niemand aus der Laienvertretung das hat über sich ergehen lassen müssen. Sie wird im Vatikan ja beharrlich ignoriert, obwohl Bischof Georg Bätzing auch jetzt wieder um eine Einladung zum Gespräch gebeten hat.

Gerade die Wortmeldung von Marc Ouellet spricht Bände. Es sei ja mal wieder „typisch deutsch“, was die Bischöfe von jenseits der Alpen da machen, beginnt er seine Klage. Genau diese Herangehensweise habe dazu geführt, dass das Volk Gottes – „die Kleinen“, wie er es biblisch formuliert – verwirrt sei. Er verstehe ja, dass man unter starkem kulturellem und medialem Druck stehe. Aber daraus dürfe doch nicht folgen, „dass die Agenda einer begrenzten Gruppe von Theologen ... plötzlich zum Mehrheitsvorschlag des deutschen Episkopats“ werde. Im weiteren bedient Ouellet die Mär vom Missbrauch des Missbrauchs. „Es fällt schwer, sich des Eindrucks zu erwehren, dass die ... Missbrauchsfälle ausgenutzt wurden, um andere Ideen durchzusetzen, die nicht unmittelbar damit zusammenhängen.“ Dass der Kardinal dann auch noch von „sogenannten“ systemischen Ursachen spricht, ist der Tiefpunkt. Weiß er, was er den Betroffenen sexueller Gewalt damit antut?

Meine adventliche Lektüreempfehlung: Lesen Sie die Ouellet-Ansprache und dazu die Rede von Bischof Bätzing. Welches ist die Art, wie wir in der Kirche miteinander umgehen wollen?

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