Proteste im Iran und in RusslandSolidarisiert euch!

Angesichts der Bilder von den mutigen Protesten im Iran und in Russland dürfen wir nicht untätig bleiben. Solidarität verlangt konkretes Handeln – weil Werte wie Meinungsfreiheit auch anderswo in Gefahr geraten können.

Es sind erschütternde, aber auch beeindruckende Bilder, die uns in diesen Tagen aus dem Iran und aus Russland erreichen: Der Fall von Mahsa Amini, die in den Händen der iranischen Sittenpolizei gewaltsam zu Tode gekommen war, brachte das Fass der Wut auf das diktatorische Regime endgültig zum Überlaufen. Seitdem kursieren zahlreiche Videos, in denen junge Frauen ihr Kopftuch jubelnd in die Flammen werfen und tausende Iranerinnen (und Iraner) unter Einsatz ihres Lebens gegen das unterdrückerische und frauenfeindliche System protestieren. Die Regierungsschergen versuchen, die Demonstrationen mit massiver Gewalt niederzuschlagen – bislang ohne Erfolg. In Russland kommt es seit der von Putin angeordneten Teilmobilmachung in vielen Städten verstärkt zu Demonstrationen, auf die die Regierung mit einer Welle von gnadenlosen Verhaftungen reagiert.

Ja, wir sind völlig zu Recht beeindruckt vom Mut und der Widerstandskraft dieser Menschen, die sich unter Lebensgefahr für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, und wir sind entsetzt über dieses Unrecht, diese Gewalt und die stetig wachsende Zahl an Verletzten und Toten – aber das allein genügt nicht! Jetzt ist es an uns, die wir im Trockenen und Sicheren vor unseren Bildschirmen sitzen, folgenden Dreischritt zu vollziehen: hinsehen – solidarisieren – handeln.

Wir müssen hinsehen, wenn Frauenrechte sowie Meinungs- und Demonstrationsfreiheit mit Füßen getreten, brutale Angriffskriege geführt und die Proteste dagegen hart bestraft werden. Zudem müssen wir die jeweiligen Brandherde auch dann weiter im Blick behalten, wenn sie wieder aus den Schlagzeilen geraten oder die Bilder (beispielsweise aufgrund von Internetblockaden) weniger werden.

Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit und Frauenrechte sind universelle Werte, die uns alle betreffen und die – so zeigt sich leider immer wieder – erschreckend schnell in Gefahr geraten können. Deshalb geht der Einsatz dieser mutigen Protestierenden im Iran und in Russland auch uns alle an und erfordert unser aller Solidarität und Unterstützung. Wahre Solidarität bedarf jedoch konkreter Handlungen. Die Politik muss sich mit entsprechenden Maßnahmen und Sanktionen den Unrechtsregimen entgegenstellen. Die Medien sollten die Rufe der Protestierenden in die Welt tragen und ihr Sprachrohr sein, wenn man versucht, sie zum Schweigen zu bringen. Wir Bürgerinnen und Bürger, die wir das Privileg haben, ohne Gefahr für Leib und Leben demonstrieren gehen zu können, sollten gerade jetzt Gebrauch davon machen, uns einreihen und für Frieden, Gerechtigkeit und Frauenrechte auf die Straße gehen.

Und für die Kirchen empfiehlt sich die altbewährte Devise: Ora et labora. Es braucht sie mehr denn je, die Gebete und Fürbitten für den Frieden! Aber es braucht auch klare Worte und deutliche Taten. Zum einen muss das humanitäre und diplomatische Engagement weiter verstärkt werden, zum anderen sollten die obersten Kirchenvertreter kriegerische Gräueltaten scharf verurteilen und laut Widerstand leisten, wenn (wie im Falle Russlands) der christliche Glaube für kriegstreiberische und ideologische Zwecke instrumentalisiert wird.

Das bekannte monastische Motto ora et labora endet übrigens mit einer ermutigenden Zusage: Deus adest sine mora – Gott ist da ohne Verzug.

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