Ausblicke mit James WebbEnergiekrise – Energiehunger

Die Politik schwört uns auf harte Zeiten ein, wenn das Erdgas nicht mehr strömt, die Erdölzufuhr gedrosselt ist und der Strom knapp wird. Wie aber steht es um die Energiezufuhr im Christentum?

Die kirchlichen Abbrüche sind durch keinerlei pastoral-soziologische Ausreden mehr zu beschönigen. Die sakrale, heilige Energie ist aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Und die wie uniformistisch auf „Kirchentheater“ fixierten Medien wirken da alles andere als aufklärerisch. Kirchenfürsten, die längst keine mehr sind, Kirchenlaien, die sich als theologische Experten geben, tappen im Dunkeln, ratlos wie das Schiff, das sich Gemeinde nennt. Beklagt wird bischöfliche Macht. Dabei wäre genau das Gegenteil zu beklagen: dass die geistig-intellektuelle und geistlich-emotionale Führungsmacht verdunstet ist. Momentan begnügt man sich mit Reformkosmetik-Strukturdebatten, während wahre Reform auf den Feuerkern zielen müsste: den Sinn des Sinns. Gott?

Wo die Religion erkaltet und sich die Vielen auf Pseudoerwärmung stürzen, wären dringend die geistigen wie geistlichen Bohrlöcher in Angriff zu nehmen, entsprechende Pipelines, Windräder, Kraftwerke und Hochspannungsleitungen zu bauen und auszubauen. Christsein heißt elektrisierende Hochspannung. Dabei sind die altehrwürdigen Methoden der Religion keineswegs überholt, jedoch verbesserungsnotwendig. Die religiöse Energieversorgung kommt wesentlich aus Erinnerung, aus Tradition, was nicht Traditionalismus meint, vielmehr Vergegenwärtigung. Das geschieht in der Bewegungskraft der Wiederholung, die sich im Bekannten dem Unbekannten aussetzt, in der Ruhe der Unruhe, im Schweigen dem Angesprochenwerden, in der Versenkung der Neugier. Dafür gibt es Übungen, allem voran Beten, Staunen, Andächtigkeit und Ergriffenheit davor, dass das Selbstverständliche alles andere als selbstverständlich ist: Siehe, trotz aller Unwahrscheinlichkeit 13,8 Milliarden Jahre seit dem Urknall – wir leben! In Materie und Geist. Wir leben in einem Universum unermesslicher Räume und Zeiten an den Grenzen von Raum- und Zeitlosigkeit, was uns die sensationellen Bilder des James-Webb-Teleskops aus frühen Phasen der kosmischen Evolution ins Bewusstsein gebrannt haben. Das Volk staunt – und erschrickt? Bloß über die Leistungen der Wissenschaftler? Oder mehr noch über das unserem Gehirn anschaulich nicht Vorstellbare, Mysteriöse? Entzauberung voller Verzauberung. Dieses Wunder Energie, dieses Wunder Licht aus dem Dunkeln. Zumindest Nachdenkliche könnten im Erschaudern auf die Spur des Ewigen geraten.

Warum nur sind die Kirchen und ihre Protagonisten da so lasch, einfallslos, träge geworden, statt die phantastischen Welten in die sakralen Welten hereinzuholen, was Künstler und Naturforscher intuitiv und kreativ tun. Die Symbolkraft des Kosmischen und Biologischen wurde seit jeher für die Symbolkraft des Religiösen energetisch umgewandelt: im Beten der Psalmen, in den Gerüchen des Weihrauchs, in der priesterlichen Heilkraft der Salben, in der sakramentalen Verdichtung der Materie, die im Essen und Trinken, im Berühren und Schauen, im Hören und Rufen über die Sinne die Sinnlichkeit transparent werden lässt auf das transzendent Geistige hin. Denken heißt Überschreiten, wusste der Marxist und „Atheist“ Ernst Bloch. Was wissen wir Christen noch davon, dass das Göttliche Geist ist, pure Energie, Transformation in Liebe! Daraus ist alles geworden und wird alles, und ohne das würde nichts. Energie Gott, Energie Logos, kosmischer Christus, ewige Sonne, alternativlose Alternative. Unser Energiehunger müsste sie nur nutzen, unerschöpflich.

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