Zum Tod von Desmond TutuHinterm Regenbogen

Im Alter von 90 Jahren ist Bischof Desmond Tutu, Symbolfigur des friedlichen Widerstands gegen die Apartheid, gestorben.

© Foto: picture alliance / Reuters | Allison Joyce

Wofür wird Desmond Tutu erinnert werden? Der deutsch-südafrikanische Bischof Michael Wüstenberg muss für seine Antwort nicht lang überlegen. „Mir bleibt sein Bild von der rainbow nation, der Regenbogennation, in der alle Menschen Platz haben – egal, welche Hautfarbe sie haben“, sagte er im Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA).

Desmond Tutu war der letzte verbliebene große Anti-Apartheidskämpfer. Seine früheren Mitstreiter auf diesem Weg, Nelson Mandela und Frederik de Klerk, waren bereits vor ihm heimgegangen. Zusammen mit ihnen hatte Tutu seinerzeit entscheidend zum Sturz des Unrechtsregimes beigetragen. Bis zuletzt setzte er sich einerseits für Aussöhnung ein und legte sich andererseits mit den neuen Mächtigen an.

Ein Spiegel der Nation

„Tutu sah sich während seines langen Lebens nur einem Anliegen bedingungslos verschrieben: der Gerechtigkeit.“ Mit diesen Worten würdigt die Neue Zürcher Zeitung den Verstorbenen. „Er blieb einer der wenigen Mahner, dem alle Südafrikaner zuhörten. Tutu war wie ein Spiegel der Nation, die mit ihm trauerte, lachte und seine Wut teilte.“

Geboren wurde er am 7. Oktober 1931 in der Bergbaustadt Klersdorp/Transvaal. Tutu war zunächst als Lehrer tätig, gab jedoch seine Stelle aus Protest gegen die rassistische Bildungspolitik der Apartheid-Regierung auf und entschied sich für eine geistliche Laufbahn in der anglikanischen Kirche.

Desmond Tutu und Hans Küng

Für seinen gewaltlosen Kampf gegen die Rassentrennung wurde Tutu 1984 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde er zum Bischof von Johannesburg ernannt. Von 1986 bis 1996 war er Erzbischof von Kapstadt und damit Oberhaupt von rund zwei Millionen Mitgliedern seiner Kirche in Südafrika. Nach seinem altersbedingten Rücktritt wirkte Tutu bis 1998 als Vorsitzender der südafrikanischen „Wahrheitskommission“, die Verbrechen im Apartheid-Staat aufklären sollte.

Vielfach wurde in den Nachrufen vermerkt, dass sich Desmond Tutu und Hans Küng nun das Sterbejahr teilen. Was Bischof Wüstenberg zu der Frage führt: „Wer sind die neuen, strahlenden Sterne am theologischen Himmel? Ich sehe viele gründliche Arbeiter, aber wenige leuchtende Ikonen. Desmond Tutu war so eine leuchtende Ikone.“ Oder mit den Worten der Neuen Zürcher: „Nicht nur ein Südafrika ohne Tutus meist so treffende Worte ist kaum vorstellbar. Sie werden weltweit fehlen.“

Desmond Tutu (1931-2021)

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