Sexuelle Gewalt in der KircheTrier ist überall

Die aktuelle Berichterstattung über das Bistum Trier und seinen Umgang mit sexuellem Missbrauch zeigt vor allem eins: Sein Bischof spielt auf Zeit. Zeit, die die Betroffenen nicht haben.

Die Betroffenen leiden und sterben weithin unbemerkt, ohne dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt. Sechs Jahre wird der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung gegeben. Großzügig bemessen und eindeutig taktisch bedingt, denn bis dahin sind amtierende ehemalige Trierer Bischöfe und Leitungsverantwortliche entweder im Ruhestand oder man hofft, dass Gras über die Sache gewachsen ist.

Dieses unwürdige Schauspiel ist in vielen Diözesen und Orden zu beobachten. Deutlich wird: Das Projekt der Aufklärung von sexuellem Missbrauch in der Regie der Bistümer ist gescheitert. Aufklärung, die nach den Regeln der „Täterorganisation Kirche“ (so der Apostolische Administrator Rolf Steinhäuser, Köln) abläuft, simuliert ernsthaftes Bemühen und deckt doch faktisch die noch lebenden bischöflichen Vertuscher und Täter.

Immer wieder gegen Mauern

Geschweige denn, dass wirklich die eigengesetzlichen Ursachen für Missbrauch in der Kirche benannt und beherzt angegangen würden – Synodaler Weg hin oder her. Selbst dieser Weg wäre ja nicht entstanden, wenn nicht die Medien und engagierte Frauen und Männer immer wieder gegen Mauern laufend die Schicksale von Betroffenen aufgedeckt und zur Sprache gebracht hätten. Und auch die Entscheidungsträger im ZdK mussten zu Beginn mehr gezogen werden, um sich der Verantwortung für Missbrauch in der Kirche zu stellen, als dass sie aus eigenem Antrieb das Thema auf ihre Agenda gesetzt hätten.

Die Rufe nach unabhängiger Aufklärung werden von daher nachvollziehbar lauter. Die Kirche hat ihre Chancen weithin verspielt, selbst reinen Tisch zu machen. In Frankreich, Irland und auch Australien zeigt sich, dass unabhängige Kommissionen ganz andere Zahlen ermitteln und unverstellt die systemischen Ursachen der Gewalt an Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, vor allem Frauen, benennen.

Wo bleibt die Gerechtigkeit?

Noch fehlt in Deutschland der politische Wille, dieses Thema anzupacken. Warum? Damit gewinnt man keine Wahlen, und die Kirchen und der Staat sind im Bildungs- und Gesundheitswesen zu sehr aufeinander angewiesen. Daran ändern auch Absichtserklärungen im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung nichts. Solange die Kirchen Kindertagesstätten, Krankenhäuser und Schulen vorhalten, die an sich der Staat mit seinen Kommunen und Ländern bereithalten müsste, wird man den Kirchen beim Umgang mit Opfern sexueller Gewalt nicht so genau auf die Finger schauen. Ein stilles Agreement zwischen zwei Größen, die sich eingerichtet haben. Da scheint Friedhofsruhe besser zu sein als Gerechtigkeit für die Opfer.

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